Wirtschaft : "In der Kultur zu Hause sein"

Das Recycling-Unternehmen Alba beschäftigt in Kattowitz 800 Mitarbeiter.Die Firma entsorgt Müll, organsiert Winterdienste oder die Reinigung von Grünanlagen.Mit dem für das internationale Geschäft zuständigen Vorstand Axel Schweitzer (Foto: promo) sprach Martina Ohm.

TAGESSPIEGEL: Herr Schweitzer, seit fünf Jahren sind Sie unternehmerisch in Polen aktiv.Läuft alles nach Wunsch?

SCHWEITZER: Wo läuft schon alles nach Wunsch? Jedenfalls arbeiten wir mit unseren polnischen Partnern gut zusammen.

TAGESSPIEGEL: Spüren Sie als Berliner Unternehmer einen Vorteil?

SCHWEITZER: Absolut.Die Menschen haben eine Affinität zu Berlin.Die meisten kennen die Stadt.Umgekehrt ist die Nachbarschaft auch gut für uns.Wir können unseren Partnern unsere Arbeit vor Ort zeigen.

TAGESSPIEGEL: Stört Sie nicht, daß es mehr Flüge aus Düsseldorf und Frankfurt nach Polen gibt als aus Berlin?

SCHWEITZER: Das ist ein Desaster.Aber wir finden kein Gehör.Der eine schiebt es auf den anderen.Dafür fühlt sich offenbar keiner zuständig.Also fahren wir im Auto sechs Stunden hin und sechs Stunden zurück.Aber auch die Autobahnanbindung ist mangelhaft.Für Unternehmer ist das wirklich ein Problem.

TAGESSPIEGEL: Was macht den polnischen Markt für Sie so interessant?

SCHWEITZER: Polen ist mit 40 Millionen Einwohnern ein großer Markt.Wir profitieren von den Expansionsmöglichkeiten.Natürlich ist auch das Arbeitskräfteangebot günstiger.

TAGESSPIEGEL: Was bieten ausländische Investoren in Polen, was polnische Firmen nicht auch selber leisten könnten?

SCHWEITZER: Unser Know-how zählt.Es geht ja nicht, wie in unserem Fall darum, den Abfall von A nach B zu fahren.Die Entsorgungslogistik muß stimmen.Es geht ja um eine funktionierende Recycling-Wirtschaft.

TAGESSPIEGEL: Wie stark beeinträchtigen eigentumsrechtliche Einschränkungen?

SCHWEITZER: Wir können uneingeschränkt arbeiten, Firmen auch mehrheitlich und ganz erwerben.Allerdings können die Behörden Anträge auf Erwerb von Grund und Boden im Zweifel blockieren, was bei uns aber noch nie vorgekommen ist.

TAGESSPIEGEL: Eine EU-Mitgliedschaft der Polen heißt, daß einheitlichen Standards erfüllt werden müssen.Ist das überhaupt zu bezahlen?

SCHWEITZER: Das ist ein wichtiges Thema.Einheitliche Standards müssen sein, aber es darf keine Anpassung um jeden Preis geben.Entsorgung muß für die Bevölkerung auch in diesem Land bezahlbar bleiben.

TAGESSPIEGEL: Was muß ein Unternehmer, der auf den polnischen Markt den ersten Schritt setzt, berücksichtigen?

SCHWEITZER: Er muß vor allem eines sein: initiativ, initiativ und nochmals initiativ.Und außerdem muß er auf jemanden zurückgreifen können, der mindestens zweisprachig und in der Kultur zu Hause ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben