• In der Parmalat-Bilanz fehlen 12,5 Milliarden Euro Italiens Regierung will Kumpanei unter Managern verbieten

Wirtschaft : In der Parmalat-Bilanz fehlen 12,5 Milliarden Euro Italiens Regierung will Kumpanei unter Managern verbieten

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(ruf/dpa). Die Nettoverschuldung des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat ist um 12,5 Milliarden Euro höher als vom Konzern angegeben. Dies haben am Montag die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PwC) dem neuen ParmalatChef und Insolvenzverwalter Enrico Bondi in ihrem Abschlussbericht mitgeteilt. Die Nettoschulden beliefen sich am 30. September 2003 auf 14,3 Milliarden Euro, während in der Bilanz nur rund 1,8 Milliarden Euro verzeichnet waren. Die Gesellschaft war Anfang Januar damit beauftragt worden, die wahre Finanzlage der Lebensmittelgruppe festzustellen, die in einen gigantischen Bilanzfälschungs-Skandal verwickelt ist.

Um derartige Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, drückt die italienische Regierung bei der Reform ihrer Finanzaufsicht aufs Tempo: Die Aufgaben der Börsenbehörde Consob und der italienischen Notenbank Banca d´Italia sollen verschmolzen werden, um Investoren besser zu schützen. Entstehen soll in den kommenden Monaten eine schlagkräftige Finanzaufsicht. Beim Parmalat-Zusammenbruch haben Tausende von Anlegern ihr in Aktien und Anleihen investiertes Geld verloren. Neue Gesetze sollen nun in- und ausländischen Sparern wieder Vertrauen in den italienischen Finanzmarkt verleihen.

Leicht dürfte dies nicht werden. Erst am Wochenende veröffentlichte die römische Tageszeitung „La Repubblica“ eine Umfrage, nach der die Hälfte der befragten Italiener glauben, dass Parmalat kein Einzelfall ist. Der Großteil der Italiener ist momentan vorsichtig und behält seine Ersparnisse lieber unter dem Kopfkissen, als sie zu investieren. Dass sich mit dem börsennotierten italienischen Software-Unternehmen Finmatica in der vergangenen Woche gleich noch ein neuer Finanzskandal in Italien anbahnte, drückt zusätzlich auf die Stimmung.

Am Freitag stellte der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti seinen Gesetzentwurf dem Kabinett vor. Er soll vor allem abschrecken: Demnach sind Geldbußen von bis zu einer Million Euro und Freiheitsstrafen von bis zu zwölf Jahren im Fall von Kursmanipulationen bei Aktien und Unternehmensanleihen sowie bei Insider-Handel vorgesehen. Außerdem sollen Unternehmer härter bestraft werden, die falsch oder gar nicht über ihre Anleihen informieren.

Darüber hinaus soll die von Tremonti vorgesehene Finanzaufsichtsbehörde die börsennotierten Unternehmen, das Versicherungswesen und die Emission von Rentenfonds kontrollieren. Tremontis Reform zielt auf eine bisher in Italien übliche Praxis: Unternehmer saßen bislang häufig in den Verwaltungsräten ihrer eigenen Hausbanken und konnten dort zu Gunsten ihrer Firmen entscheiden. Ein eklatantes Beispiel für mögliche Interessenkonflikte innerhalb der italienischen Finanzwelt liefert Parmalat-Gründer Calisto Tanzi selbst: Er leitete nicht nur jahrelang seinen eigenen Konzern in Collecchio bei Parma, sondern saß zugleich im Verwaltungsrat der römischen Bank Capitalia, einer der Hauptgläubiger Parmalats. Capitalia steht auf Grund seiner engen Beziehungen zu Parmalat daher zurzeit auch im Rampenlicht.

Tanzi ist derweil wieder in das Mailänder Gefängnis von San Vittore verlegt worden, nachdem er das Wochenende wegen Herzbeschwerden in einem Krankenhaus verbracht hatte. Auch seine Tochter Francesca gerät immer tiefer in den Sog der Ermittlungen. Der festgenommene Ex-Finanzchef Fausto Tonna habe die 36-jährige Ex-Chefin der Tourismusfirma Parmatour in einem Verhör massiv beschuldigt, berichtete „La Repubblica“.

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