Wirtschaft : In der Rolle des Opfers: die Post

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Von Ursula Weidenfeld

Die Post dreht durch. Den Eindruck muss man jedenfalls haben, wenn auf eine Entscheidung der Regulierungsbehörde, dass der Monopolist sein Brief- und Postkartenporto senken muss, das Unternehmen umgehend eine Antwort gibt: Gewinn- und Umsatzwarnung, Personalabbau, Briefkastenabmontieren, weitere Filialschließungen. Das hört sich überzogen an – und es ist auch überzogen. Denn die Regulierungsbehörde hat etwas völlig Normales und überdies Erwartetes getan: Die Behörde hat die Post dazu verdonnert, ihre Rationalisierungsgewinne im Monopolgeschäft, nämlich bei Briefen und Karten, an die Kunden weiterzugeben. Um insgesamt knapp fünf Prozent sollen die Preise sinken – wie die Post das verteilt, bleibt ihr selbst überlassen.

Eigentlich kein großes Problem. Zumal die Post noch vor wenigen Wochen, als sie von der EU-Kommission zu einer Strafzahlung von einer halben Milliarde Euro verurteilt wurde, gelassen reagiert hatte: Man werde gegen die Entscheidung klagen. Und wenn man keinen Erfolg mit dem Widerspruch habe, sei es auch nicht so schlimm, hieß es im Unternehmen. Warum also jetzt das Getöse? Weil die Post-Manager nun eine Chance sehen, das öffentlich zu begründen, was sie ohnehin tun wollen und müssen: weiter sparen, mehr Kosten reduzieren und die Post-Infrastruktur da zurückfahren, wo sie sich nicht rechnet. So will die Post beispielsweise auf Dauer ohnehin nur etwa 10000 Filialen unterhalten. Die Politik schreibt ihr aber 12000 vor. Da passt es gut, wenn sich das Unternehmen als Opfer übereifriger Regulierer präsentieren kann.

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