Wirtschaft : In der zweiten Tarifrunde wird eine Erhöhung der Mindestlöhne und mehr Urlaubsgeld angestrebt

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Eine "sachgerechte Übernahme des Tarifabschlusses im Westen" forderte die IG Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) für die 325 000 Beschäftigten des ostdeutschen Bauhauptgewerbes am Dienstag in Berlin. In der zweiten Verhandlungsrunde strebt die Gewerkschaft die gleichen Verträge zur Altersteilzeit und für die tarifliche Zusatzrente an, wie sie auch für die alten Bundesländer gelten. Außerdem möchte die IG Bau eine Erhöhung des Urlaubsgeldes von derzeit 25 Prozent auf das Westniveau von 30 Prozent durchsetzen.

Darüber hinaus hielt Klaus Pankau, Verhandlungsführer der IG Bau für die neuen Bundesländer, eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne für dringend angebracht, um eine Stabilisierung des ostdeutschen Arbeitsmarktes zu erzielen. Die Nullrunde im vergangenen Jahr habe auf jeden Fall nicht zur Stabilisierung der Arbeitsplätze beigetragen, sagte Pankau. "Uns ist klar, dass das ein großes Paket ist, aber wir sprechen ja auch über einen Zeitraum, der länger ist als zwölf Monate." Für Westdeutschland wurde eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren vereinbart. Daher sei es Unsinn, für Ostdeutschland eine andere Laufzeit zu vereinbaren, sagte der Verhandlungsführer.

Bis zum Nachmittag gab es in den Tarifverhandlungen kaum Bewegung. Mit Hinweis auf die anhaltende Krise in der ostdeutschen Bauwirtschaft sträubten sich die Arbeitgeber in der zweiten Runde weiter gegen eine Übernahme des Westabschlusses, legten aber auch kein eigenes Angebot vor. Einigkeit bestehe allenfalls in der zweijährigen Vertragslaufzeit und darin, wie illegale Beschäftigung wirksamer bekämpft werden solle, hieß es. Zur Verhandlungsstrategie der Arbeitgeberseite sagte Pankau: "Die Arbeitgeber müssen sehen, dass sie etwas auf den Tisch legen müssen." Auf Zeit spielen, so wie es in der ersten Verhandlungsrunde praktiziert wurde, führe niemanden weiter. In der Gewerkschaft existiere eine Stimmung, die ein Scheitern der Gespräche bewirken könnte, sollten nicht vernünftige Angebote vorgelegt werden.

In der gegenwärtigen Lage fühlten sich die ostdeutschen Arbeitnehmer, nach Ansicht Pankaus, diskriminiert. Denn obwohl sie mit gleicher Produktivität arbeiten würden, wäre das Verhältnis im Eckstundenlohn deutlich unausgeglichen. Bezogen auf den Tariflohn, würde die ostdeutsche Belegschaft nur auf 89,9 Prozent des Westniveaus kommen. Bei der Jahresvergütung sei das Verhältnis noch unausgeglichener. Da in den neuen Bundesländern das 13. Monatsgehalt wegfalle, würden dort nur 84,3 Prozent des West-Jahresgehaltes erzielt. Damit die Einkommensschere zwischen Ost und West sich nicht weiter öffne, müsse die reale Lohnentwicklung mit dem Westen Schritt halten, forderte Pankau.

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