Wirtschaft : In diesem Jahr Gewinn erwartet

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die größten Schwierigkeiten hat der Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann zwar nach der existenzbedrohenden Krise überstanden.Aber auch wenn nach Ansicht von Vorstandschef Heinrich Binder 1998 der Umschwung geschafft wurde, hat er das Unternehmen noch nicht zurück auf den Weg zu Gewinnen führen können.Holzmann steckt noch mitten im Umbau, leidet noch unter Problemen, die das alte Management zu verantworten hat.Im vorigen Jahr habe es, so Binder, im eigentlichen Baugeschäft in Deutschland "unerwartete" Verluste in Höhe von 124 Mill.DM gegeben.Zu ihnen kämen noch Zinslasten von 104 Mill.DM.Nur durch Erträge aus dem Geschäft in den USA, aus internationalen Projekten, durch die Verkäufe von Grundstücken und durch die Auflösung von Rückstellungen erreichte der Konzern ein ausgeglichenes Ergebnis.

"Von den vielen Baustellen, auf denen Philipp Holzmann 1998 tätig war, betraf die wichtigste die Sanierung des eigenen Konzerns", betont Binder.Im laufenden Jahr, in dem das Unternehmen seinen 150.Geburtstag feiert, sollen erstmals seit fünf Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.Die Probleme bei der Modernisierung der Wuppertaler Schwebebahn verdeutlichen, mit welchen Altlasten Holzmann noch zu kämpfen hat.Das Tochter-Unternehmen Stahlbau Lavis ergatterte 1996 den Auftrag und kalkulierte mit Baukosten von gut 200 Mill.DM.Im vergangenen Jahr stellte sich heraus, daß diese Vorgabe mit 350 Mill.DM schon um 150 Mill.DM überschritten war.Mit einem drastischen Sparkurs reduzierte Lavis die Kosten auf 310 Mill.DM.Weitere Einsparungen und Rückstellungen in Höhe von 80 Mill.DM sollen das Projekt wieder ins Lot rücken.Das schwere Unglück im April, das offenbar auf Nachlässigkeiten von Bauarbeitern zurückzuführen ist, bringt Holzmann offenbar nicht in zusätzliche finanzielle Probleme.Die Kosten seien durch Versicherungen abgedeckt.

Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten sieht Binder den Baukonzern auf dem richtigen Weg.Die finanzielle Sanierung sei abgeschlossen.Dazu gehört der Verkauf von unrentablen Projekten, aber auch die weitere Verringerung der Mitarbeiterzahl.Ende 1998 beschäftigte Holzmann weltweit gut 30 000 Menschen, 6 300 oder gut 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.Bei der strategischen Neuausrichtung und der Umsetzung einer neuen Unternehmenskultur habe man große Fortschritte erzielt, sagt Binder.Dabei geht es vor allem um eine Stärkung des Geschäftes in den USA, in Mittel- und Osteuropa sowie in Südamerika.Die Märkte versprächen höhere Gewinne als das Baugeschäft in Deutschland.

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