Wirtschaft : In Downtown Manhattan kehrt wieder Leben ein

Auf dem Gelände des zerstörten World Trade Center wird wieder gebaut – die ersten Einwohner sind schon zurückgezogen

Ryan Chittum

Es geht wieder aufwärts in Lower Manhattan, der Südspitze des New Yorker Stadtteils. In den 19 Monaten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist es im Stadtzentrum von New York ruhig geblieben. Damit blieb aus, was viele Unternehmen, Arbeiter und Bewohner nach der Katastrophe befürchteten. Aus Angst vor weiteren Terrorattacken hatten Firmen und Menschen nach dem Schock der Anschläge der Gegend massenweise den Rücken gekehrt.

Inzwischen ist dieser Strom abgeebbt, und es kehrt wieder Leben ein in Downtown Manhattan, wie das Gebiet auch genannt wird. In Sachen Beliebtheit schlägt die Gegend inzwischen sogar Midtown Manhattan, das im Norden angrenzende Areal.

Was diesen Aufschwung möglich machte, war vor allem eine Mischung aus relativ günstigen Mieten, Steuervorteilen und in manchen Fällen auch ein Gefühl der Verbundenheit mit der Stadt. Die Zeichen der Wiederbelebung sind allgegenwärtig.

Ground Zero, das Gelände des zerstörten World Trade Centers, ist zu einer riesigen Baustelle geworden. Noch in diesem Jahr sollen von hier aus wieder Pendlerzüge fahren. Der alte Bahnhof lag direkt unter den Twin Towers und hat deren Zerstörung nicht überstanden. Jetzt wird eine vorläufige Bahnstation gebaut, die das Gebiet mit dem benachbarten Bundesstaat New Jersey verbindet. Der Immobilien-Entwickler Larry Silverstein, der das Leasingrecht an den zerstörten Türmen hatte, lässt an gleicher Stelle einen 225 Meter hohen gläsernen Büroturm bauen. Die Eröffnung ist für Ende 2005 vorgesehen. Die Stadtverwaltung und der Bundesstaat New York haben ehrgeizige Pläne auf den Tisch gelegt, die auf eine Wiederbebauung des Areals und die Verbesserung seiner Verkehrsanbindung zielen.

„Die Menschen sehen, dass Lower Manhattan eine glanzvolle Zukunft hat", sagt Charles A. Gargano, Chairman der Empire State Development Corp. Das Unternehmen koordiniert die Zuschüsse, die den Unternehmen für eine Neuansiedlung oder das Verbleiben in der Gegend gezahlt werden. Laut einem Sprecher der Gesellschaft konnte man mit den Geldern bislang 8500 Arbeitsplätze von außerhalb des Stadtgebietes nach Lower Manhattan ziehen.

Doch der Schock des 11. September ist längst nicht überstanden. Im Vergleich zu Midtown gibt es vor allem beim Personennahverkehr noch Schwierigkeiten. Beikommen wird man dem Problem erst, wenn die geplante Verbindung nach New Jersey funktioniert. Auch ist nach wie vor unklar, wie der Wiederaufbau des World Trade Centers finanziert werden soll. Zwar führt Silverstein derzeit hierüber einen Rechtsstreit gegen seine Versicherungen. Doch ein Ende des Prozesses ist noch nicht abzusehen. Und über allem schwebt die Krise der Finanzindustrie. Vieles hängt davon ab, ob sich die Branche in kurzer Zeit erholen kann.

Der wohl größte Erfolg in der jüngsten Geschichte seit den Anschlägen ist die schnelle Rückkehr der Bewohner. Die New Yorker Grundstücksmakler von Citi Habitats Inc. berichteten vor kurzem, dass die Leerstandsrate bei Wohnimmobilien nur noch ein Prozent beträgt. Im gesamten Stadtgebiet liegt diese Quote immerhin bei durchschnittlich vier Prozent. Auch die gewerblichen Mieter kommen zurück, wenn auch langsamer. Die Anwaltsfirma Thacher Proffitt & Wood, die ihre Büroräume bis zum 11. September in einem der Türme hatte, wird ihr Übergangsquartier in Midtown Manhattan bald verlassen. Dann ziehen die 300 Angestellten in das World Financial Center schräg gegenüber von Ground Zero. „Hier sind unsere Wurzeln, da mussten wir uns einfach zu der Gegend bekennen“, sagt Paul Tvetenstrand, Chairman und geschäftsführender Partner des Unternehmens.

Diese Einstellung teilen viele Geschäftsleute. Nicht zuletzt dieses Bewusstsein hat dazu beigetragen, dass die Leerstandsrate bei Büroräumen von 14,6 Prozent im Mai 2002 auf jetzt 13,1 Prozent gesunken ist. In der gleichen Zeit musste dagegen Midtown Manhattan einen Anstieg des Leerstands von 10,6 Prozent auf 12,3 Prozent verkraften, so der Immobilien-Service Colliers ABR. Einige in Midtown ansässige Unternehmen sind bereits in Richtung Süden nach Lower Manhattan umgezogen. Noch vor ein paar Jahren hätten sie dies nicht einmal erwogen.

„Gleich nach dem 11. September sind die Menschen aus der Gegend geflohen“, sagt Fiddle. „Sie waren nervös und verängstigt. Nun hat sich der Staub gelegt und jeder denkt nur noch an den Wiederaufbau.“

Die Texte wurden übersetzt und gekürzt von Karen Wientgen (Worldcom), Matthias Petermann (Deutschland), Svenja Weidenfeld (EU), Christian Frobenius (Öffentliche Banken) und Tina Specht (Ground Zero).

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