Wirtschaft : "In Euroland die Anlagestrategie überdenken"

Mittlerweile wissen zwar eine Menge Deutsche, was der Euro ist.Was sie aber demnächst damit machen können und müssen, wissen nicht alle.Darum sind Bankbeamte, Behörden und Werbeleute auch jetzt noch damit beschäftigt, ihre Kunden über die neue Währung aufzuklären.Daniela Schwartz, Mitarbeiterin im EWU-Team der Deutschen Bank, kümmert sich seit einem Jahr um das Euro-Verständnis der Kunden.Mit ihr sprach Vanessa Liertz.

TAGESSPIEGEL: Wie reagieren Ihre Kunden jetzt auf den Euro?

SCHWARTZ: Immer besser.Die Euro-Freunde werden mehr.

TAGESSPIEGEL: Gibt es denn noch Euro-Feinde?

SCHWARTZ: Nein, Euro-Feinde sind mir in der Bank noch nicht begegnet.Für uns gibt es - salopp gesagt - drei Anlagetypen: Den Euro-Freund, den Euro-Gleichgültigen und den Euro-Skeptiker.Ich würde sie grob so charakterisieren: Der Euro-Freund freut sich, daß er die Aktienkurse in Euroland ab dem 4.Januar miteinander vergleichen kann.Er verspricht sich neue Chancen an einer Börse ohne Wechselkursrisiken.Dem Euro-Gleichgültigen ist der 1.Januar egal, denn er kann bis zum Jahre 2002 in D-Mark bar bezahlen.Der Euro-Skeptiker hingegen ist mißtrauisch und will sein Geld möglichst ganz in Schweizer Franken oder in US-Dollar anlegen.

TAGESSPIEGEL: Welcher Kunde ist Ihnen am liebsten?

SCHWARTZ: Natürlich haben wir keine Lieblingskunden.Aber es hilft, wenn der Kunde seine Präferenzen kennt.Ich kann ihn besser beraten, wenn er weiß, mit welchen Risiken er leben kann und wenn er sich außerdem über den Euro informiert hat.Manche Kunden überschätzen sich ein wenig.Sie hören einen Vortrag über den Euro und wollen daraufhin ihr Geld komplett in Aktien anlegen.Später stellen wir aber fest, daß sie noch nie eine Aktie besessen haben und daher mit Kursschwankungen noch nicht umgehen können.

TAGESSPIEGEL: Wie finden Sie das heraus?

SCHWARTZ: Wir machen mit jedem Kunden zuerst einen kleinen Euro-Test.

TAGESSPIEGEL: Testen Sie ihn schriftlich?

SCHWARTZ: Ja, das erspart Mißverständnisse.Und auf den Testergebnissen bauen wir unsere Beratung auf.Wie risikofreudig der Kunde allerdings ist, können Sie ihm auch am Gesicht ablesen, wenn Sie ein paar Anlagevorschläge machen.Wer bislang risikoscheu war, sollte nicht plötzlich nur wegen des Euro mutige Aktienexperimente machen - und zum Beispiel gleich auf Optionsscheine setzen.Da bekommt er garantiert Bauchschmerzen.

TAGESSPIEGEL: Stellen Ihre Kunden heute andere Fragen als vor einem Jahr?

SCHWARTZ: Schon.Die Leute wissen mehr.Im vergangenen Jahr mußten wir ständig erklären, daß die Stabilität unserer Währung nicht mit der Bundesbank verschwindet.Jetzt ist das nicht mehr das Thema.Viele Kunden haben sich informiert.Und der Euro bietet eine gute Gelegenheit, die eigenen Anlagestrategien zu überdenken.Auch ich habe deswegen - nach langer Zeit - mal wieder mein Depot überprüft.

TAGESSPIEGEL: Wie reagieren Ihre ausländischen Kunden auf den Euro?

SCHWARTZ: Wir haben zum Beispiel bei unseren türkischen Kunden die Erfahrung gemacht, daß sie die Währungsunion viel gelassener sehen als wir.

TAGESSPIEGEL: Wie äußert sich das?

SCHWARTZ: Sie stellen im Vergleich mehr sachliche Fragen.Für sie ist die D-Mark eben kein nationales Symbol.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar