Wirtschaft : In Geldnot

Der Biotechnologie-Branche fehlt Kapital.

von

Berlin - Die deutsche Biotechnologie-Branche leidet unter Finanzierungsschwierigkeiten. Es werde für die häufig kleinen Firmen zunehmend schwieriger, an Kapital zu kommen, teilte der Branchenverband Bio-Deutschland am Montag in Berlin mit. Im vergangenen Jahr wurden nur 141 Millionen Euro in die Branche investiert, 2010 waren es noch 650 Millionen Euro. Hintergrund sei die Unsicherheit durch die Schuldenkrise.

„Die Investoren haben derzeit selbst Schwierigkeiten, sich zu refinanzieren“, sagt Andreas Mietzsch, Herausgeber der Branchen-Zeitschrift „Transkript“. 2012 müssten aber viele Biotech-Unternehmen wieder Geld aufnehmen. „Die Firmen brauchen mindestens 200 Millionen Euro“, sagte der Verbandsvorsitzende Peter Heinrich. Die Branche versuche aber, sich von Wagniskapital unabhängiger zu machen. Zugleich forderte Heinrich die Politik auf, mehr für Investoren zu tun: „Privatanleger sollten dafür belohnt werden, dass sie in Innovationen investieren.“

Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen die Biotech-Firmen aber besser ein als noch vor einem Jahr. Bio-Deutschland hatte 225 Unternehmen der Branche nach ihrer Lage und ihren Erwartungen befragt. 60 Prozent der befragten Unternehmen planen demnach, zusätzliche Jobs zu schaffen, mehr als die Hälfte will die Investitionen konstant halten. Allerdings blicken die Befragten aufgrund der konjunkturellen Unsicherheit skeptischer in die Zukunft als vor einem Jahr.

Der Biotech-Verband kritisierte zudem, dass es in Deutschland eine hohe Risikoscheu gegenüber neuen Technologien gebe. Das sieht auch BASF so: Der Chemiekonzern teilte am Montag mit, wegen der Ablehnung der Gentechnik in Europa die Sparte in die USA zu verlegen. Neuer Sitz der Zentrale, die noch bei Ludwigshafen angesiedelt ist, soll Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina werden. Berlin profitiert von der Umstrukturierung: Hier will BASF jetzt die Biotech-Firma Metanomics ausbauen. Jahel Mielke

0 Kommentare

Neuester Kommentar