Wirtschaft : „In Indien gibt es jetzt sogar Ökoprodukte“

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Herr Geyer, bisher haben alle nur auf China geschaut. Warum ist jetzt auch Indien für deutsche Unternehmen so interessant?

Wegen des Marktes. Indien hat eine sehr große mittlere Einkommensschicht. Und die Kaufkraft wächst. Inzwischen kann man dort sogar Ökoprodukte kaufen.

China ist auch ein großer Markt. Was ist Indiens Vorteil?

Indien hat zwar höhere Lohnkosten als China. Aber trotzdem ist Indien auch als Produktionsstandort für deutsche Unternehmen attraktiv. Indien hat eine stabile Demokratie und geordnete Rechtsverhältnisse, China nicht. Hier können die Investoren sicher sein, dass ihnen ihr Eigentum auch nach acht Jahren noch gehört. In China könnte es auch ein Enteignungsgesetz geben.

Wie hoch sind die Standards in Indien?

Die Rechtssicherheit in Indien ist vergleichbar mit der in Deutschland. Auch die Umwelt- und Sozialstandards sind auf einem hohen Niveau – in Sachen Umwelt sogar wie in der Europäischen Union.

Für welche Branchen eignet sich der indische Markt besonders gut?

Für die IT- und Dienstleistungsbranche wegen der guten Fachkräfte. Für die Textil-, Kleinmöbel- oder Spielzeugindustrie ist Indien als Produktionsstandort interessant. Für Firmen, die Produkte für die Mittelschicht herstellen, wie etwa Autos, ist der Markt ebenfalls lohnenswert.

Würden auch Beteiligungen Sinn machen?

Ja. Zum Beispiel könnten sich die deutschen Flughafengesellschaften an den indischen Partnern beteiligen, und den Ausbau der Kapazitäten mitfinanzieren. Das Wachstum der Billigflieger in Indien stößt momentan nur deshalb an Grenzen, weil die Flughäfen zu klein sind.

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

Gunnar Geyer

ist Volkswirt und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Er ist gerade von einer Indienreise zurückgekommen.

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