Wirtschaft : In Japan formiert sich die größte Bankengruppe der Welt

Die führenden japanischen Finanzinstitute IBJ, Dai-Ichi Kangyo Bank (DKB) und Fuji Bank streben einen Zusammenschluss zur größten Bankengruppe der Welt an. "Wir prüfen verschiedene Möglichkeiten einer Allianz, aber wir befinden und noch nicht in einem Stadium, in dem wir etwas zu verkünden hätten", hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Die japanische Nachrichtenagentur Jiji berichtete, bereits am Freitag könnte ein Abkommen vorgelegt werden. Bis zum Herbst 2000 soll nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" eine gemeinsame Holdingstruktur stehen.

Sollte die neue Bankengruppe zustandekommen, entstünde ein Branchenriese mit einer Bilanzsumme von 140 Billionen Yen (rund 2,43 Billionen DM). Die Gruppe überträfe damit bei weitem das derzeit branchenführende Gespann Deutsche Bank/Bankers Trust und die angestrebte Dreier-Allianz der französischen Institute Banque Nationale de Paris (BNP), Société Générale (SG) und Paribas, die ohnehin zu scheitern droht. Laut "Nihon Keizai Shimbun" wollen die drei japanischen Banken weite Teile ihres bisherigen Geschäfts unter dem Dach einer Holding zusammenfassen. Ziel sei es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und dem angeschlagenem Bankensektor des Landes ein neues, solides Fundament zu geben.

An der Tokioter Börse schlug die Nachricht kurz vor Handelsschluss wie eine Bombe ein; die Kurse der drei Banken legten gegen den Markttrend jeweils mehr als elf Prozent zu. "Das ist sehr, sehr gut", kommentierte der Bankenanalyst Robert Zielinski von Lehman Brothers in Tokio. "IBJ war eines der drängendsten ungelösten Probleme des japanischen Finanzsektors."

Während DKB und Fuji klassische Filialbanken sind, bereitet IBJ der Branche als letztes großes, noch nicht unter staatliche Fittiche genommenes Finanzinstitut für langfristige Kredite Sorge. "Es sind zwar keine ernsthaften Probleme mit faulen Krediten bekannt, aber IBJ wirft dennoch keine Gewinne ab", erläuterte Zielinski. Das Institut müsse sich neu ausrichten und finde in DKB und Fuji eine "fantastische" Ergänzung. "Diese Banken können ihre Stärken zusammenbringen und jeweilige Schwächen des anderen ausgleichen", urteilte der Analyst Kazuya Honjo vom Tokyo Research Institute. Zielinski ging davon aus, dass sich noch andere Banken der Allianz anschließen. Die Fuji Bank und DKB sind bereits durch ein Abkommen zur Zusammenlegung ihres Treuhandgeschäfts miteinander verbunden.

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