Wirtschaft : In letzter Minute nicht neppen lassen

KATHRIN SPOERR

BERLIN .Eigentlich ist es ganz normal, daß in diesen Zeiten noch mehr Steuerzahler an dem Versuch scheitern, sich mit Fonds oder Immobilien reich zu sparen.Der Beurkundungsdruck ist groß, der Akkumulationstrieb macht viele blind.Druck entsteht aus dem Gefühl, künftig die Einkommensteuer wieder zahlen zu müssen, anstatt sie, über eine sonderabschreibungsfähige Investition, in die eigenen Taschen zurückfließen zu lassen.Das Fördergebietsgesetz läuft aus - diesmal bestimmt.Eine nochmalige Verlängerung der Frist, wie Ende 1996, wird es nicht geben.Damals hatte die Bundesregierung das Gesetz um zwei Jahre verlängert.So sollte der Anreiz erhalten bleiben, in die maroden Altbauten in den neuen Bundesländern zu investieren.Die Deutschen machten davon so eifrig Gebrauch, daß die schrumpfenden Steuereinnahmen den Staat knapp bei Kasse werden ließen.

Derzeit heißt es, sich zu sputen, aber zugleich besonders vorsichtig zu sein.Denn neben seriösen Steuerspar-Immobilien, sind in diesen Tagen auch sehr viele unseriöse Angebote auf dem Markt - mehr als je zuvor.Aber woran erkennt man sie? Und wie kann man sich davor schützen, einem Nepp aufzusitzen? Wichtig bei der Kalkulation einer Anlage ist, daß der Blick nicht nur auf die in Aussicht gestellte Abschreibung im Verhältnis zur Kapitalanlage gerichtet wird.

KBonität.Ein bedeutendes Entscheidungskriterium ist die Seriösität des Anbieters einer Immobilie.Von ihm sollte sich der Kapitalanleger ein klares Bild machen.Professionalität kann unterstellt werden, wenn das Unternehmen schon eine lange Markterfahrung nachweisen kann.Wer Zweifel hat, sollte sich über das Mittel der Bankauskunft von der Bonität eines Anbieters überzeugen zu lassen.Dies ist die wichtigste Hürde.Wer sie genommen hat, kann viel ruhiger sein.Denn ein guter Anlageberater hat ein eigenes Interesse daran, seine Kunden zufriedenzustellen.

Auch wenn man einen soliden Berater gefunden hat, sollte auf einige Aspekte besonderes Augenmerk gerichtet werde.

Lage.Hier gelten, je nach Art der Immobilie, unterschiedliche Kriterien - je nachdem ob es sich um ein Bürogebäude, ein Mietshaus oder ein gemischt genutztes Objekt handelt.Ein im Prospekt wunderschön aussehendes Haus aus der Jahrhundertwende könnte nahe an einer Hauptverkehrsstraße gelegen sein.Deswegen empfehlen Anlageberater, in keinem Fall eine Immobilie vom Schreibtisch aus zu kaufen.Sie raten zudem davon ab, ein Objekt zu kaufen, das zu weit vom Wohnort entfernt liegt.Die kurzfristige Steuerersparnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß eine Immobilie viel Verwaltungsaufwand erfordert.

Mietgarantie.Zu achten ist auf die Höhe und die Länge der Mietgarantie, die vom Bauträger versprochen wird.Irrational hoch angesetzte Mieten, die am Markt nicht zu erzielen sind, können auf Dauer nicht eingelöst werden.In der Regel müssen die Anleger dann Kapital nachschießen, wenn sie nicht ihren gesamten Einsatz verlieren wollen.Das haben viele Fälle in der Vergangenheit eindrucksvoll belegt.

Kalkulation.In vielen Prospekten wird von der höchsten steuerlichen Progression ausgegangen, was aber bei weitem nicht bei jedem Anleger korrekt ist.Vor Verkäufern, die dieses Schönen ihrer Kalkulation nötig haben, ist zu warnen.Um die individuelle Steuerersparnis zu ermitteln, muß auch der korrekte individuelle Steuersatz zugrunde gelegt werden.Der Rat eines vertrauenswürdigen Steuerberaters schadet in keinem Fall.Angebote dieser Art sollen lediglich eins: den Anleger ködern.

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