Wirtschaft : In London schauen sich die Besten nach neuen Jobs um

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Unsicherheit über die Zukunft von Kleinwort Benson nach der Fusion von Deutscher und Dresdner Bankro

Ob Rolf Breuer seinen neuen Partner Bernhard Walter eingeweiht hat, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Ende letzter Woche erhebliche Unruhe in das Fusionsvorhaben mit der Dresdner Bank gebracht hat. Als das Projekt vor zehn Tagen vorgestellt wurde, bezeichneten Breuer und Walter die Dresdner Kleinwort Benson und damit die Investmentsparte der Dresdner Bank als "Juwel". Zusammen mit dem entsprechenden Bereich der Deutschen Bank werde das neue Institut im Investmentbanking endlich das für den weltweiten Wettbewerb notwendige Gewicht erhalten. Dies gilt als wesentliches Motiv für die Fusion. Eine Woche später war dies schon wieder kalter Kaffee. Bei einem Vortrag in London bezeichnete Breuer auf einmal auch einen Verkauf von Kleinwort Benson als möglich. Seitdem, so heißt es in Frankfurt, geht es in der Investmentsparte der Dresdner Bank drunter und drüber. "Einige Leute sind schon auf dem Absprung", ist aus dem Haus zu hören, dass sich jetzt doch als Juniorpartner bei dieser angeblichen "Fusion von Gleichen" herauskristallisiert. "Was soll ich sagen? Das können sie sich denken", sagt einer aus der Investmentsparte der Dresdner Bank, der nicht zitiert werden will. "Es ist alles in der Schwebe." Genau das aber lässt viele Investmentbanker bei der Dresdner Bank dem Vernehmen nach über ihre Zukunft nachdenken. "Viele schauen sich schon um." Angeblich ist zwar der komplette Verkauf von Kleinwort Benson mit seinen weltweit 7500 Mitarbeitern kein Thema. Aber Teilbereiche, so ist aus beiden Häusern zu hören, stünden zur Disposition. Dabei geht es offenbar um den weltweiten Wertpapierhandel und dies in erster Linie bei Kleinwort Benson. Zwar wird dort nicht nur nach eigener Ansicht, sondern nach Meinung von externen Experten hervorragende Arbeit geleistet. "Aber wir sind eben doch der kleinere Partner", sagt einer, der längst nicht mehr daran glaubt, dass das von Walter und Breuer vor zehn Tagen ausgegebene Motto wirklich gilt, wonach nur die Besten bei der neuen Bank bleiben sollen. Die Investmentsparte der Deutschen Bank bringt es weltweit auf 14 800 Mitarbeiter. Auch aus der Deutschen Bank ist zu hören, dass zuerst das Investmentbanking der Dresdner Bank ins Auge gefasst werde, wenn es um Rationalisierungen und die geplanten Kosteneinsparungen geht. Das in London angesiedelte für das globale Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank zuständige Team jedenfalls gilt mittlerweile als gefestigt, nachdem es in der Vergangenheit zum Teil Abgänge gleich in Scharen gegeben hat, zuletzt bei der Übernahme von Bankers Trust. Nach Ansicht von Beobachtern würde es jedenfalls wenig Sinn machen, diese gefestigten Strukturen jetzt wieder auseinander zu reißen. Damit sinken die Chancen auch für die guten Leute von Dresdner Kleinwort Benson. Das Motto "Blending of the Best", die Auswahl der Besten also, würde nur begrenzt helfen.

Zumindest in den Sparte Mergers & Acquisitions, dort wo Investmentbanken Fusionen, Allianzen und Firmenübernahmen betreuen, muss sich angeblich niemand große Gedanken machen. Mehr Beschäftigte, vor allem mit Top-Know-How, sind entscheidende Basis auch für mehr Geschäfte. Bei M & A braucht sich die Dresdner Kleinwort Benson ohnehin nicht zu verstecken. Mit weniger Leuten stellen sie bislang mehr auf die Beine als die Deutsche Bank. Kein Wunder, dass Breuer und Walter von einem "Juwel" sprechen.

In jedem Fall, dass sagen auch Betroffene in den Frankfurter Zentralen, müssen die beiden Vorstandssprecher und ihre Integrationsteams in der Investmentsparte schnell die Karten auf den Tisch legen. "Innerhalb der nächsten beiden Wochen sollte Klarheit herrschen", sagt einer. "Sonst laufen die guten Leute weg". Wenn der Wertpapierhandel von Dresdner Kleinwort Benson allerdings sowieso abgestoßen wird, sind die Top-Leute ohnehin weg. Und die Konkurrenz freut sich.

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