Wirtschaft : In Magdeburg hegt man Hoffnungen

Maschinenbau ist aus dem Gröbsten heraus / Noch kein Anlaß zu Euphorie MAGDEBURG (löb).Ernst Thälmann hat schon einmal bessere Zeiten gesehen.Die überlebensgroße Bronzefigur, einst Namensgeber und Wahrzeichen des Vorzeigekombinats im DDR-Schwermaschinenbau, mußte jüngst endgültig das Sket-Gelände räumen.Lieblos auf einem Parkplatz außerhalb des Betriebsgeländes abgestellt, muß er nun aus einiger Entfernung mit ansehen, wie der Ausverkauf dessen, was vom einstigen Schwermaschinenbau-Kombinat Ernst Thälmann (Sket) noch übriggeblieben ist, dem Ende zugeht. Nach der Eröffnung des Gesamtvollstreckungsverfahrens Anfang 1997 blieben von dem einstigen Großkombinat mit seinen zu DDR-Zeiten 13 000 Beschäftigten allein im Magdeburger Stammwerk nur noch fünf Auffanggesellschaften mit insgesamt gerade mal 420 Arbeitsplätzen übrig.Was für die einen die endgültige Zerschlagung von Sket bedeutete, war für andere das "Auferstehen aus Ruinen". Tatsächlich sind inzwischen vier der fünf Auffangesellschaften sowie die beiden Tochterunternehmen des Konzerns zweitprivatisiert.Nur die Sket Walzwerktechnik GmbH wartet noch auf Interessenten, nachdem jüngst zwei mittelständische Unternehmer aus dem Ostfriesischen den Zuschlag für die Sket Maschinen- und Anlagenbau GmbH bekommen haben.Die wollen nicht nur die vorhandenen 180 Mitarbeiter weiterbeschäftigen, sondern wollen kurzfristig 200 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.Künftig sollen auf dem Sket-Gelände Windkraftanlagen der Firma Enercon gebaut und montiert werden. Noch trauriger sieht es bei der einstigen Vorzeigeprivatisierung der Treuhand-Anstalt aus.Die Magdeburger Armaturenwerke (MAW) waren 1991 eines der ersten großen Industrieunternehmen, die die Treuhand beim Ausverkauf der DDR-Staatswirtschaft an den Mann gebracht hat.Aber die neuen Gesellschafter von der Deutschen Babcock AG brachten den Armaturenwerkern kein Glück.Inzwischen ist das Unternehmen dicht, in den Verwaltungsgebäuden haben sich Teile der Magdeburger Justizverwaltung und ein Anzeigenblatt-Verlag eingemietet. Es gibt aber auch Lichtblicke und Ausnahmen im einst für die Magdeburger Region strukturbestimmenden Maschinen- und Anlagenbau.Ein solcher Lichtblick ist die Förderanlagenbau Magdeburg GmbH (FAM) unter dem Geschäftsführenden Gesellschafter Lothar Petermnann.Dessen Name steht für eine bei der Privatisierung der DDR-Wirtschaft seltene Kontinuität.Schon seit 1983 stand er dem Magdeburger Betriebsteil des Takraf-Kombinats als Betriebsdirektor vor, avancierte unter der Ägide der Treuhand zum Sprecher der Geschäftsführung und behielt diese Funktion auch nach der Privatisierung.Die Hauptgesellschafter lassen ihm freie Hand bei der Unternehmensführung, und weil die Geschäftsführung selbst 35 Prozent der Gesellschafteranteile hält, hat sie ein Interesse an schwarzen Zahlen.Die schreibt die FAM seit der Privatisierung 1993 kontinuierlich. Europas größtes Postsortier- und Verteilzentrum auf dem Frankfurter Flughafen stammt von der FAM, und inzwischen sind die Auftragsbücher der Magdeburger so voll, daß sie derzeit eine neue Produktionshalle errichten, um alle Aufträge frist- und vertragsgemäß abarbeiten zu können.Mit ihren 500 Mitarbeitern gehört die FAM mittlerweile zu den Dinosauriern im Maschinen- und Anlagenbau Sachsen-Anhalts. Die Branche hat den Strukturwandel nach Ansicht von Wirtschaftsminister Klaus Schucht zwar noch immer nicht vollständig abgeschlossen, die wirtschaftliche Talsohle aber offensichtlich inzwischen durchschritten."Im Jahr 1997 konnte diese Branche das erste Mal seit 1991 mit Umsätzen von knapp über zwei Mrd.DM einen Zuwachs von rund fünf Prozent verzeichnen", freut sich der Minister.Die Exporte seien gegenüber dem Vorjahr um gut 40 Prozent gestiegen."Dieser Wert muß allerdings vor dem Hintergrund des ausgesprochen geringen Vergleichswertes 1996 relativ betrachtet werden", räumt Schucht ein.Der Exportanteil am Gesamtumsatz der Branche sei von 43 Prozent im Jahr 1992 auf nur noch 19 Prozent im Jahr 1996 eingebrochen.Fast 70 000 Menschen haben im Maschinenbau Sachsen-Anhalts seit 1991 ihren Arbeitsplatz verloren, die Branche hat derzeit gerade noch 10 913 Beschäftigte.Die Zahl der Unternehmen ist im gleichen Zeitraum um rund 30 Prozent auf jetzt noch 138 zurückgegangen.Die 97er Zahlen geben nach Ansicht Schuchts zwar Anlaß zu vorsichtigem Optimismus, für Euphorie sei aber überhaupt kein Anlaß.Nachholbedarf gebe es nach wie vor noch im Bereich der Produktivität, die im Durchschnitt erst 53 des westdeutschen Niveaus erreicht habe.

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