Wirtschaft : In Museen muss auch Geld hängen bleiben

Für Kultureinrichtungen gibt es immer weniger Mittel aus öffentlichen Kassen – doch Investitionen in Kultur können sich lohnen

Corinna Visser

Berlin - Museen und Festspiele müssen künftig professioneller gemanagt werden, wenn sie überleben wollen. „Kulturinstitutionen stehen weltweit in einem immer stärkeren Wettbewerb“, sagt Stefan Höffinger, Vice President der Unternehmensberatung AT Kearney. „Auf der anderen Seite steigt der Druck andere Einnahmequellen zu erschließen, weil die öffentlichen Kassen leer sind.“

Unter dem Titel „Die Kunst, Kultur zu managen“ hat AT Kearney eine Studie zur Professionalisierung von Kulturinstitutionen vorgestellt. Dabei zeigt sich nicht nur, dass der finanzielle Druck zunimmt. Zugleich steigt auch die Nachfrage. „Die Menschen wenden mehr Zeit und Mittel für Kultur auf“, sagt Höffinger. „Die Nachfrage der Konsumenten und auch der Unternehmen, sich in Sachen Kultur zu engagieren, steigt.“ Daher lohne es sich in Kunst und Kultur zu investieren. Als gelungenes Beispiel gilt die spanische Stadt Bilbao: „Das Guggenheim-Museum hat Bilbao insgesamt zu einem eigenständigen Reiseziel gemacht“, sagt Höffinger. In Deutschland und Österreich dagegen gebe es viele Kulturinstitutionen, die ihre Potenziale nicht nutzten. Höffinger spricht von „verborgenen Schätzen“.

Die Studie zeigt aber auch kulturelle Einrichtungen, die bereits sehr erfolgreich wirtschaften. Das Metropolitan Museum in New York etwa, das sich inzwischen fast ausschließlich selbst finanziert: Nur noch acht Prozent des Museumsetats von 259 Millionen Euro kommen von der Stadt New York. Der Rest speist sich aus Eintrittsgeldern, Spenden oder anderen Einnahmen. Den größten Teil (31 Prozent des Etats) erzielt das Museum durch den Verkauf von Merchandising-Produkten. 20 MET Stores gibt es bereits in den USA.

Auf drei Säulen, so der Vorschlag der Experten, sollten Museen und andere kulturelle Einrichtungen ihre Finanzierung aufbauen: Zu etwa 50 bis 60 Prozent auf das Geschäft mit den Besuchern: über Eintrittsgelder, Shops, Gastronomie und Parken. 20 bis 30 Prozent der Mittel sollten aus dem Sponsoring von Unternehmen stammen. „Um die Unabhängigkeit zu wahren, macht es Sinn, sich nicht nur an ein Unternehmen zu binden“, sagt Höffinger. Nur noch zu zehn bis 20 Prozent sollten die Einnahmen aus öffentlichen Mitteln stammen.

Gerade auch für Berlin sei es wichtig, die kulturellen Einrichtungen finanziell auf eigene Beine zu stellen. „Berlin ist grundsätzlich eine sehr interessante Destination, die kulturellen Einrichtungen sind echte Schätze“, sagt Höffinger. „Aber weil die Stadt nicht von einem extrem starken wirtschaftlichen Umfeld getragen wird, ist es wichtig, dass die Kultureinrichtungen zum wirtschaftlichen Selbstverständnis beitragen.“ Die Museumsinsel sei dafür ein guter Nukleus. „Man muss anfangen, solche Kulturareale ähnlich wie in der Wirtschaft als Cluster zu sehen“, sagt Höffinger. „Die einzelnen Einrichtungen können von der Vernetzung miteinander stark profitieren.“ Im Ergebnis zeige die Studie auch, dass Kultur nicht etwas ist, das nur Geld kostet. „Kultur bringt den Metropolen auch sehr viel ein“, sagt Höffinger. „Das sind echte Investitionen, die sich rechnen.“

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