Wirtschaft : In Sicherheit

Was Anleger aus dem Aktiencrash lernen und welche Alternativen es gibt

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In Ruhe nachrechnen. Hektische Aktienverkäufe zahlen sich nicht aus. Mutige steigen sogar schon wieder ein. Foto: Keystone
In Ruhe nachrechnen. Hektische Aktienverkäufe zahlen sich nicht aus. Mutige steigen sogar schon wieder ein. Foto: KeystoneFoto: Volkmar Schulz / Keystone

In nicht einmal 14 Handelstagen ist der Dax in der Spitze um mehr als 1800 Punkte oder 25 Prozent eingebrochen. Der Euro Stoxx 50 kollabierte um 20 Prozent, der Dow Jones um 17 Prozent. Der MSCI World, Abbild der wichtigsten Aktien aus 23 Ländern, verlor binnen fünf Tagen 2,5 Billionen Dollar an Börsenwert. Die Rohstoffpreise brachen zusammen. Viele Anleger hatten zuletzt nur noch eines im Sinn: Raus aus dem Markt.

Spekulationen über eine nahe Rezession, wahlweise auch über Lehman II oder das Ende des Euro machten die Runde. Dabei war es wohl weniger menschliche Panik als Maschinen-Kalkül, das die Verkäufe zu einem Crash auf Raten mutieren ließ: 70 Prozent der Börsenorder in den USA kommen von Computern, die auf der Grundlage komplizierter Algorithmen binnen Bruchteilen von Sekunden kaufen – und verkaufen.

Auch wenn sich die Börsen am Dienstag und Mittwoch wieder leicht beruhigten, sind Stabilität und Sicherheit gefragter denn je. Doch was ist zu tun?

GOLD 

Erster Reflex vieler Anleger auf die Börsenpanik war: Gold kaufen. Am Höhepunkt der Verkaufswelle am Dienstag, als der Dax knapp über 5500 Punkten aufsetzte, notierte das Edelmetall bei 1770 Dollar je 31 Gramm, höher als je zuvor, knapp 20 Prozent über dem Niveau vor fünf Wochen. Die Flucht sei mit der Hoffnung begründet, dass Gold einen Schutz vor Kaufkraftverlusten und Währungsabwertungen biete, urteilt Commerzbank- Analyst Eugen Weinberg. Nachdem US-Anleihen, die seit jeher als sicherer Hafen angesteuert werden, die Bestbonität verloren hatten, sahen Investoren Gold als eine Art alternative Währung. Der weltweit größte Goldfonds, der SPDR Gold Trust, kaufte binnen drei Wochen rund 80 Tonnen. Auch die asiatischen Notenbanken seien auf der Käuferseite.

Weinberg sieht den Goldpreis Ende 2012 auf 1900 Dollar steigen. JP Morgan ist noch optimistischer und hob das Kursziel bis Jahresende gar von 1800 auf 2500 Dollar je Feinunze an. Dabei gilt: Gold wirft keinerlei Zinsen oder regelmäßige Renditen ab, birgt zudem als Dollar-Investment ein Währungsrisiko für Euro-Käufer: Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, schrumpft der Wert des Investments entsprechend. „Gold ist wie eine Versicherung“, sagt Weinberg. Man sollte sie haben – und wie bei jeder Versicherung hoffen, dass sie nicht nötig sein werde.

TAGES- UND FESTGELD

Alternativ bieten sich als sicherer Hafen Tages- und Festgelder an. 2,6 Prozent lassen sich hier im günstigsten Fall bei täglich verfügbaren Einlagen mit flexiblem Zinssatz erzielen, etwa bei der Bank of Scotland oder Cortal Consors. Festgelder rentieren derzeit mit bis zu drei Prozent für ein Jahr. Hier gilt: Alle Einlagen bei europäischen Banken sind per Gesetz bis zu 100 000 Euro abgesichert. Die meisten deutschen Institute verfügen über den Bundesverband deutscher Banken über eine zusätzliche Absicherung von mehreren Millionen Euro pro Kunde. Sparkassen und Volksbanken bieten ähnlich hohe Absicherungen. Wissen sollte man: Viele Institute knausern mit Zinssätzen unter der Inflationsrate, das angelegte Geld verliert also an Wert und Kaufkraft.

BUNDESANLEIHEN

Auch wer Guthaben beim Staat anlegt, kann nicht auf gute Renditen hoffen, erhält dafür aber größtmögliche Sicherheit, denn Deutschland gilt als einer der solventesten Staaten der Erde. Die Tagesanleihe muss Vater Staat deshalb aktuell nur mit 1,06 Prozent verzinsen. Auch für zehnjährige Bundesanleihen gibt es derzeit nicht einmal mehr den Inflationsausgleich: Die Renditen liegen bei 2,3 Prozent, die Teuerung jedoch bei 2,4 Prozent. Wer ein nur minimales Risiko möchte, muss dies akzeptieren.

AKTIEN UND FONDS

Viele Anleger von Aktien und Fonds dürften derzeit ansehnliche Buchverluste in ihren Depots sehen. Wer seinen Positionen eine automatische Verlustbegrenzung (Stopploss) verpasst hatte, ist wahrscheinlich hochkant aus dem Markt geflogen. Hier stellt sich die Frage: Am Seitenaus bleiben oder neu einsteigen? Und wann? Entscheidend ist die Risikobereitschaft: Wer mutig ist, wird sich an den alten Börsenspruch erinnern: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, während vorsichtigere Naturen eine andere Weisheit zitieren werden: „Greife nie in ein fallendes Messer.“ Fakt ist: Aktien sind erheblich billiger als noch vor zwei Wochen, bei unveränderter Lage. Der Dax notiert derzeit, auf Basis der für 2012 erwarteten Gewinne, bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun, während das langfristige Mittel bei 15 liegt. Die Dividendenrendite insgesamt ist auf fünf Prozent gestiegen. Eine ganze Reihe von Unternehmen, etwa die Lufthansa, die Munich Re, die Post oder die Allianz, bieten aktuell Dividenden, die selbst nach einer Halbierung noch über dem Renditeniveau deutscher Staatsanleihen lägen. Im Euro Stoxx locken 31 der 50 Konzerne mit Dividendenrenditen über vier und etwa die Hälfte mit Ausschüttungen von fünf Prozent und mehr.

Vorsichtige Anleger könnten warten, bis der Wunschindex oder die Wunschaktie wieder über ihren 200-Tages-Durchschnitt gestiegen sind, und ihr Geld bis dahin parken. Die 200-Tages-Linie, die den Durchschnitt der letzten 200 Tage jeden Tag neu abbildet – bei tendenziell steigenden Kursen also steigt – bietet nach Meinung vieler technisch orientierter Anleger einen guten Hinweis auf Kaufgelegenheiten. Kaufen sollte man danach erst, wenn das Papier die Linie deutlich nach oben durchschneidet. Derzeit liegt der 200-Tages-Schnitt im Dax etwa bei 6700 Punkten.

ZERTIFIKATE

Wie schon nach der Lehman-Pleite hat es auch viele Zertifikate-Anleger wieder voll erwischt: Nach Daten der Berliner Rating-Agentur Scope ist allein zwischen 27. Juli und 5. August bei 11 310 Bonus-Zertifikaten jenes Level unterschritten worden, das dem Anleger noch einen Bonus verheißt. Der 500-Punkte-Absturz im Dax vom Dienstag dürfte Tausende weiterer Zertifikate mitgerissen haben. Damit haben die Anleger ihren Sicherheitspuffer verloren, die Zertifikate bewegen sich nun wie der Basiswert, allerdings ohne Dividende. Auch hier gilt also: Mehr Sicherheit kostet Rendite, weniger Rendite bringt Sicherheit. Anleger, die Zertifikate mit nun sehr knappen Bonus-Grenzen halten, könnten über einen Tausch in andere Produkte nachdenken, um gegen weitere Tauchgänge gewappnet zu sein. Allerdings fallen dann erneut Gebühren an.

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