Wirtschaft : In Tokio herrscht Ausverkaufsstimmung

TOKIO/SINGAPUR (dpa).Der hartnäckige Abwertungsdruck auf den Yen könnte nach Einschätzung des japanischen Bankenverbandes über eine Abwertungsspirale in Asien die gesamte Weltwirtschaft schädigen.Insbesondere die angeschlagenen Staaten Südostasiens wären betroffen, sagte Verbandschef Satoru Kishi am Dienstag in Tokio.China versicherte, seine Währung gegen alle Widerstände zu verteidigen.Die südostasiatischen Währungen stabilisierten sich etwas, doch die meisten Aktienmärkte der Region blieben schwach.

In Tokio herrschte eine "Ausverkaufstimmung" für den Yen.Sie wurde begründet mit der schlechten Verfassung der japanischen Wirtschaft und der Sorge, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt könne in eine Deflationsspirale geraten.Der Dollar durchbrach zeitweilig die Schwelle von 141 Yen, bevor Forderungen nach einer Intervention der Zentralbank den Yen stabilisierten.Angeheizt wurde der Run auf die US-Währung von der Spekulation, die Vize-Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten würden sich in Paris nicht auf Maßnahmen gegen den Yen-Verfall verständigen.Händler lasen dies aus Andeutungen des US-Finanzministers Robert Rubin.Dagegen deutete dessen japanischer Amtskollege Hikaru Matsunaga an, daß die Yen-Schwäche am heutigen Mittwoch in Paris besprochen werden könnte.

Matsunagas Versprechen, den Yen zu verteidigen, wurden vom Markt skeptisch aufgenommen.Schließlich hatten Japans Währungshüter im April bereits 20 Mrd.Dollar - fast ein Zehntel ihrer Währungsreserven - vergeblich zur Yen-Stützung in den Markt gepumpt.

Die pessimistischen Einschätzungen wurden bestärkt von einem Bericht des Wirtschaftsplanungsamts EPA, das vor einer weiteren Konjunkturabschwächung wegen der geringen Inlandsnachfrage warnte.Der Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 4,1 Prozent (im April) könne die Lage noch verschlimmern.Auch ein Mitglied der Zentralbank sagte, die Wirtschaftsdaten zeigten die schlechte Verfassung der Wirtschaft.

Vereinzelt wurde aber auch auf den positiven Effekt der Yen-Schwäche für Japans Exportwirtschaft hingewiesen.Zudem gab es Mutmaßungen, Washington und Tokio könnten eine mäßige Abschwächung des Yen beabsichtigen, um die japanische Wirtschaft anzukurbeln.Der Bankenverbandschef Kishi warnte jedoch, für Japans Finanzwirtschaft sei ein weiterer Wertverlust des Yen "unerwünscht", da er den Kapitalabfluß ins Ausland beschleunigen würde.Außerdem würde der Inflationsimport verstärkt, weil die Einfuhrpreise stiegen.

Der chinesische Zentralbankchef Dai Xianglong rief Japan auf, Maßnahmen zur Yen-Stabilisierung zu ergreifen.Die Yen-Abwertung habe negative Folgen für die Finanzen und Wirtschaft in Ostasien und verstärke den Druck auf Chinas Exporte, sagte er nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua.Peking werde den Renminbi (Yuan) trotz des Abwertungsdrucks stabil halten.

Am Tokioter Aktienmarkt erholte sich der Nikkei-Index am Dienstag um 1,5 Prozent auf 15 530,17 Punkte.Dabei profitierten exportorientierte Titel von der Yen-Schwäche.Dagegen fiel in Hongkong der Hang-Seng-Index um gut zwei Prozent auf 8391,46 Punkte; Singapur gab nach den schweren Verlusten vom Montag ein weiteres Prozent auf 1117,21 nach.Schwächer schlossen auch Seoul, Bangkok, Manila und Taipeh sowie die Börsen in Australien und Neuseeland.Etwas fester tendierten nur Jakarta und Kuala Lumpur.Unter den südostasiatischen Währungen notierten der malaysische Ringgit, die indonesische Rupiah und der Singapur-Dollar etwas schwächer, doch der philippinische Peso und der thailändische Baht erholten sich leicht.

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