Wirtschaft : Index-Fonds sind besser und kosten weniger

INGO NARAT (HB)

"Keiner weiß, wohin die Kurse gehen werden", sagt Martin Gruber.Dann fügt der Finanzprofessor aus New York zwar noch den Nachsatz hinzu: "Das Risiko an den Börsen ist gestiegen." Aber spätestens jetzt möchte er auf zwei seiner Lieblingsthemen zu sprechen kommen: passives Management und Fondskosten.

Hier kann Gruber nicht nur wissenschaftliche Kompetenz in die Waagschale werfen.Er weiß die theoretischen Erkenntnisse auch in die Praxis umzusetzen.Nicht umsonst ist er als Consultant im Investmentbereich aktiv und in den Entscheidungsgremien verschiedener Fonds präsent.In einem Handelsblatt-Gespräch prognostiziert Gruber: Der amerikanische Trend zum passiven Management, sprich Indexfonds, könnte sich auch hierzulande durchsetzen.Dabei seien die Chancen bei den Institutionellen am größten, wie das Beispiel USA zeige.Bei den Privatanlegern dagegen finde dieser Ansatz weit weniger Anklang.

"Die größten Pensionsfonds in Amerika verwalten ungefähr die Hälfte ihrer Gelder auf Indexbasis, bei den privaten Anlegern sind es vielleicht sieben Prozent", sagt Gruber.Der Unterschied verblüffe nur auf den ersten Blick: "Die institutionellen Anleger verstehen eben die Kostenseite viel besser." Außerdem würden es auf lange Sicht ohnehin nur wenige Manager schaffen, den Index zu schlagen.

Ein aktiv gemanagter Aktienfonds koste im Schnitt vielleicht 1,4 bis 1,5 Prozent an Managementgebühr pro Jahr.Beim praktisch ohne Management auskommenden Indexprodukt, bei dem das Portefeuille immer wie der zugrundeliegende Index - im US-Aktienbereich etwa ein S & P 500 - strukturiert ist, seien dagegen nur etwa 0,25 Prozent an Managmentgebühr zu veranschlagen; Ausgabeaufschläge fielen meist nicht an.Institutionelle Investoren seien unter Umständen sogar schon mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 0,1 Prozent dabei."Ein Indexfonds ist einfach die preisgünstigste Art der Diversifikation", resümiert der Professor.

Diese Lektion hätten die großen amerikanischen Unternehmen bei der Verwaltung ihrer Pensionsfonds inzwischen gelernt.Gruber gibt ein konkretes Beispiel, wobei er den Namen des bekannten US-Konzerns, der vor Jahren noch weit über 100 Manager zur Verwaltung seiner Pensionsgelder beschäftigte, nicht preisgibt."Das war die pure Angst, beim Vertrauen auf einen einzigen Vermögensverwalter könne man den falschen Mann erwischen, der schlechte Anlageergebnisse erzielt", erinnert sich Gruber.Das Dumme sei nur gewesen: "Rechnete man die vielen aktiv gemanagten Portefeuilles zusammen, stellte sich heraus, daß die Gesamtstruktur einem Indexfonds sehr nahe kam, aber wesentlich teurer war."

Trotz seines Plädoyers für das passiv gemanagte Portefeuille will Gruber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: "Manche Experten übertreiben, wenn sie meinen, reinrassige Indexprodukte seien immer und überall die beste Problemlösung." Tatsächlich zeichne sich bei den amerikanischen Institutionellen der Trend zum indexorientierten Management ab.In diesen Fällen bilde der Fondsmanager ein Marktbarometer zwar im großen und ganzen ab, lasse sich aber einen kleinen Spielraum für Abweichungen, um damit etwas mehr Performance herauszuholen.So bleibe die Indexperformance fast komplett gesichert, wenn der Fondsmanager mit seinen begrenzten Aktivitäten kein glückliches Händchen haben sollte.

Beim Thema Indexfonds dürfe ein Anleger übrigens nicht nur an Produkte auf den S & P 500, das Marktbarometer für US-Standardwerte, denken.Mit dieser Bemerkung begegnet Gruber der Frage, was ein Fan des passiven Managements tun solle, der an gestiegene Risiken glaube."Es gibt Alternativen, denn dieser Markt fächert sich immer weiter auf", so Gruber.Er verweist auf die an Indizes für kleine oder mittlere Aktien ausgerichteten Produkte.Darüber hinaus könnten die jetzt vorsichtigeren Anleger auf ganz andere Varianten ausweichen: Indexprodukte für den Anleihen- oder Geldmarktbereich.

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