Wirtschaft : "Indexzertifikate sind preiswert und transparent"

Mit Index-Zertifikaten können Anleger auf eine Vielzahl von Börsenindizes setzen, ohne die entsprechenden Aktien kaufen zu müssen.Die Bankgesellschaft Berlin hat unlängst insgesamt 13 neue Euro-Indexpapiere auf den Markt gebracht.Henrik Mortsiefer sprach mit Andrea Bauer, Produktverantwortliche der Bankgesellschaft, über Chancen und Risiken der Anlageform.

TAGESSPIEGEL: Frau Bauer, warum ist ein Index-Zertifikat, das den Markt 1 : 1 abbildet, besser als ein herkömmlicher Aktienfonds?

BAUER: Für Anleger, die ein möglichst genaues Abbild eines bestimmten Börsenbarometers wollen, sind Indexzertifikate preiswerter und transparenter, haben jedoch nur eine begrenzte Laufzeit.Außer den üblichen Bankspesen beim Kauf des Papiers fallen keine weiteren Gebühren an.Ausgabeaufschläge und laufende Verwaltungsgebühren gibt es - anders als bei Fonds - bei unseren Index-Zertifikaten nicht.

TAGESSPIEGEL: Und warum Index-Zertifikate, wenn ich mit einzelnen Aktien mehr heraushole als der Marktdurchschnitt?

BAUER: Weil nur sehr wenige Anleger mit ihren begrenzten Budgets ein ausgewogenes Depot zusammenstellen können.Wer ein Index-Zertifikat kauft, braucht sich über die Auswahl der Aktien und die Risikostreuung keine Gedanken zu machen.Das Euro-Stoxx-Papier zum Beispiel bildet die Kursentwicklung von 50 europäischen Blue chips ab und minimiert dabei das Risiko des Anlegers, ohne ihm die Ertragschancen vorzuenthalten.Wer hat schon den Überblick über alle Aktien in Euroland?

TAGESSPIEGEL: Welche Märkte werden außerdem abgebildet? Finden Anleger auch Emerging-Markets-Börsen?

BAUER: Wir bieten Zertifikate auf die wichtigsten elf Indizes an: europäische Länder-Indizes, die Stoxx-Familie, den S & P 500 sowie den japanischen Nikkei 225.Derzeit sehen wir die Nachfrage in diesen Ländern, aktuell ist zum Beispiel der Nikkei 225 sehr gefragt.Bisher erkennen wir keinen Bedarf an Emerging-Markets-Zertifikaten, könnten diese jedoch kurzfristig bei einer veränderten Nachfragesituation auflegen.

TAGESSPIEGEL: Ihre neu aufgelegten Produkte laufen bis 2005.Betrachtet man die möglichen Verluste, die ein Index in sechs Jahren - einer recht kurzen Zeitspanne - erleiden kann, ist das Risiko für den Anleger doch beträchtlich.

BAUER: Die von uns angebotenen Laufzeiten sind vergleichsweise lang.Wettbewerber bieten viel kürzere Fristen an.Grundsätzlich denken wir über eine Neuauflegung der Zertifikate vor deren Fälligkeit nach.Die am 3.März neu erschienenen Zertifikate sind übrigens Anschlußpapiere für Investoren, deren Alt-Zertifikate im kommenden Jahr auslaufen.Wer will, kann also umschichten und nahtlos für weitere Jahre investiert bleiben oder - wenn gewünscht - schon vor Ende der Laufzeit aussteigen.Bei der Investition in Index-Zertifikate geht der Anleger bewußt das Risikoprofil eines diversifizierten Aktienportfolios ein.Somit sind auch Verluste denkbar.Aber es bestehen auch entsprechende Gewinnchancen.

TAGESSPIEGEL: Wären längere Laufzeiten nicht günstiger?

BAUER: Nein.Die Börsen bleiben in Bewegung.Wer weiß denn, ob es den Dax in 30 Jahren noch gibt.

TAGESSPIEGEL: In welcher Stückelung werden Zertifikate gehandelt und wieviel muß mindestens investiert werden?

BAUER: Der Kurs der Zertifikate entspricht immer einem Bruchteil des entsprechenden Index, meist einem Hundertstel.Handelbar ist ein einzelnes Stück sowie ein Vielfaches davon.Wir raten zu größeren Volumina von mindestens 5000 Euro, in Ausnahmefällen auch 3000 Euro, denn vielfach werden Mindestgebühren berechnet.

TAGESSPIEGEL: Die Bankgesellschaft bietet mit "Berliner Bär"-Zertifikaten auch Produkte an, die von fallenden Kursen profitieren.Wie funktioniert das?

BAUER: Für die Kursfestlegung des "Berliner Bär" wird der aktuelle Dax-Stand von der Zahl 12 000 abgezogen.Beim Euro Stoxx Bär ist die Differenz zu 8000 Zählern maßgeblich.Sinken die Indizes, steigt die Notierung des Zertifikats, der Anleger gewinnt trotz fallender Kurse.

TAGESSPIEGEL: Wird es Index-Zertifikate auf von der Bankgesellschaft selbst entworfene Indizes geben?

BAUER: Anfang Juni geben wir ein Zertifikat auf einen Korb aus Werten des Neuen Marktes heraus, bei dem wir eine eigene Auswahl der Aktien aufgrund der Börsenkapitalisierung des Neuen Marktes getroffen haben.

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