Wirtschaft : Indien wirbt um neue Wirtschaftskontakte

BERLIN (hor).Im Rahmen seines viertägigen Staatsbesuches in Deutschland wird der indische Präsident Kocheril Raman Narayanan am Mittwoch in Berlin eintreffen.Nach einem Gespräch mit Vertretern der deutschen Wirtschaft sowie Bundesaußenminister Klaus Kinkel in Bonn trifft Narayanan am Nachmittag Eberhard Diepgen im Berliner Rathaus.In den Wirtschaftsgesprächen in Bonn wird der Ausbau des zuletzt rückläufigen deutsch-indischen Handels im Mittelpunkt stehen.Während die deutsche Seite auf weitere Wirtschaftsreformen hofft, wünschen die indischen Vertreter weitere Kooperationen zum Ausbau der heimischen Infrastruktur.Die beiden Staaten wollen ein deutsches Industrie- und Handelszentrum in Bombay errichten, dessen Realisierung bislang an den hohen Grundstückskosten scheiterte.

Aufgrund der indischen Atomtests im Frühjahr fror das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit die Entwicklungshilfe ein, und die Beziehungen zwischen Deutschland und Indien kühlten sich ab.Zudem sorgten eine labile innenpolitische Lage, der Kursverfall der indischen Rupie und ein zusätzlicher Einfuhrzoll in Höhe von vier Prozent für einen Rückgang der deutschen Exporte.Deutsche Waren verteuerten sich und wurden weniger wettbewerbsfähig auf dem indischen Markt.Im Vergleich zum Vorjahr gingen 1997 die Exporte um 4,9 Prozent auf 4,46 Mrd.DM zurück.Über die Hälfte der Lieferungen entfielen auf Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse.Auch für das laufende Jahr erwartet die Deutsch-Indische Handelskammer nur eine "mühsame Erholung der deutschen Lieferungen".Deutschland ist für Indien der zweitwichtigste Handelspartner hinter den USA.Derzeit bestehen etwa 1000 Lizenzabkommen zwischen deutschen und indischen Firmen sowie 600 produzierende deutsch-indische Joint-ventures.

Entgegen der gesamtdeutschen Entwicklung konnte die Berliner Wirtschaft ihren Exportanteil im vorigen Jahr ausbauen.Mit knapp 176 Mill.DM wurde der Vorjahreswert um mehr als ein Drittel übertroffen, ist jedoch mit einem Anteil von 1,3 Prozent an der deutschen Gesamtausfuhr weiterhin sehr gering.Diepgen wird mit Narayanan auch über weitere mögliche Investitionsprojekte für Berliner Firmen in Indien sprechen.Der Berliner Pharmakonzern Schering ist seit fast 60 Jahren im indischen Markt aktiv.Im vergangenen Jahr wurden hier Waren im Wert von 26 Mill.DM abgesetzt.Für die kommenden Jahre erwartet Schering ein weiteres Wachstum des indischen Pharmamarktes.Unternehmen aus Indien sind in Berlin nur in Form von Restaurants und Lebensmittelläden präsent.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar