Wirtschaft : INDIEN

Christine Möllhoff

In der Diamantenstadt Surat, wo bisher 92 Prozent aller Schmuckdiamten dieser Welt geschliffen wurden, machen Werke reihenweise dicht. „Die Edelstein- und Schmuckindustrie von Surat ist tot“, klagt Swamy Srinivasan, Präsident der Indischen Management-Vereinigung. Von einem sozialen Netz können die Menschen nur träumen. Arbeitslosengeld gibt es ebensowenig wie -statistiken. Immer öfter klopfen in Delhi gefeuerte Fabrikarbeiter an die Türen, um nach einem Job im Haushalt zu fragen.

Es kommt schlimmer als gedacht. Auch in Indien. Die vor Wahlen stehende Regierung redet die Krise zwar klein. Doch die Kennzahlen verschlechtern sich. Für 2008 wird nur noch ein Plus von sieben Prozent und für 2009 sogar nur von gut fünf Prozent erwartet – nach satten neun Prozent in den Vorjahren.

Als Erstes erwischte es die Aktionäre. Noch vor einem Jahr sprang der Aktienindex Sensex von Hoch zu Hoch und halb Indien war im Börsenrausch. Doch dann zogen ausländische Investoren Kapital ab und der Sensex brach ein. Wie ein Virus infiziert der Abschwung immer mehr Branchen. Besonders zu kämpfen haben jene Hoffnungsträger, die den Aufschwung befeuerten: Der IT-Sektor, die Auto-, Textil- und Flugbranche, Tourismus sowie Handel. Selbst die verwöhnte Internetgeneration, die in den Callcentern Indiens mit Amerika, Großbritannien oder Deutschland parliert, muss kürzer treten. Noch vor kurzem war Job-Hopping das liebste Hobby von Indiens urbaner Jung-Elite – zum Leidwesen der Arbeitgeber. Nun sind viele froh, wenn sie noch einen Job haben. Am wenigsten kratzt die Krise die Superreichen und Allerärmsten. Indien werde wieder mehr „Dritte- Welt-Land“, sagen Experten.

Die Regierung müht sich, die Talfahrt zu bremsen. Aber nun rächen sich die Sünden der Vergangenheit. In fetten Jahren hat Indien Geld mit vollen Händen ausgegeben – für fragwürdige Wahlgeschenke. Die Staatskasse ist leer. Das Konjunkturpaket wiegt nur vier Milliarden Dollar. Aber Bangemachen gilt nicht im Land der Götter. „Indien wird rasch wieder auf die Beine kommen“, glaubt das Magazin „Business India“. Christine Möllhoff

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