Wirtschaft : Indischer Ramsch

Die Kreditwürdigkeit des Landes soll herabgestuft werden. Die Börse in Mumbai dreht ins Minus.

Mumbai/Paris - Indien droht als erstes der großen Schwellenländer in Sachen Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus abzustürzen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) nannte am Montag unter anderem das schwache Wachstum und den Reformstau als Faktoren, die für eine Herabstufung sprechen könnten. Indien ist derzeit mit einer Bonitätsnote von BBB minus nur einen Schritt vom sogenannten Ramschniveau entfernt. Bereits im April hatte S&P den Ausblick für die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens auf negativ gesetzt.

Nach dem neuerlichen Warnschuss gab die Landeswährung Rupie zum Dollar nach und die Börse in Mumbai drehte ins Minus.

Indien gehört neben Brasilien, Russland und China zu dem als BRIC-Staaten bezeichneten Kreis der großen aufstrebenden Schwellenländer. Das südasiatische Land hatte zuletzt mit einem Quartalswachstum von 5,3 Prozent für Enttäuschung gesorgt. Dies war der niedrigste Zuwachs binnen neun Jahren.

„Mangelnde Fortschritte bei der Liberalisierung könnten das langfristige Wachstumspotenzial verringern und somit auch die Bonitätseinstufung beeinträchtigen“, warnte S&P die indische Regierung. Ausländische Investoren halten sich zurück, weil die Regierung bei Wirtschafts- und Steuerreformen einen Zickzackkurs fährt, viel Geld für Subventionen ausgibt und durch die hohe Neuverschuldung eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit riskiert.

Nach den neuesten Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verliert aber nicht nur Indien, sondern auch China als bisheriges Schwungrad der Weltwirtschaft zunehmend an Tempo.

Der OECD-Frühindikator für China sank im April auf 99,1 von 99,4 Punkten und fiel damit weiter unter die 100-Zähler-Marke des langjährigen Durchschnitts. Das Barometer für Indien fiel um 0,2 auf 98,0 Punkte. „Die Bewertung für China und Indien hat sich seit letztem Monat deutlich geändert“, erklärte die OECD am Montag.

In den USA, Japan und Russland stieg das OECD-Barometer leicht, während es für Deutschland und die Euro-Zone unverändert blieb. Der Frühindikator für die Euro-Zone lag im April bei 99,6 Punkten und signalisierte eine konjunkturelle Lage leicht unter dem Durchschnitt. Auch der Wert für Deutschland von 99,4 Punkten änderte sich nicht. Der Indikator für alle 33 OECD-Staaten zog gegenüber dem Vormonat aber um 0,1 Punkte auf 100,5 Punkte an. rtr/dapd

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