Wirtschaft : Indonesien spricht mit Gläubigerbanken

FRANKFURT (MAIN) / JAKARTA (AFP/dpa).Indonesien hat am Montag mit seinen Gläubigerbanken erneut über ein Umschuldungsabkommen verhandelt.Vertreter der indonesischen Regierung und von Privatbanken kamen in Frankfurt mit Abgesandten von 13 europäischen, japanischen und US-Banken zusammen, wie ein Sprecher der Deutschen Bank mitteilte.Die Gespräche könnten mehrere Tage dauern.Nach Informationen aus Bankenkreisen belaufen sich die Schulden der indonesischen Privatwirtschaft bei ausländischen Banken auf mehr als 70 Mrd.Dollar (rund 120 Mrd.DM).

Mitte April hatten sich Indonesien und die Gläubigerbanken auf einen Rahmen für die Umschuldung der Privatverbindlichkeiten des Landes geeinigt.Bei einem Treffen Anfang Mai in Tokio war aber kein Abkommen erzielt worden.Daraufhin hatten die Unterhändler sich auf eine dritte Verhandlungsrunde in Frankfurt am 20.Mai geeinigt.Wegen der Unruhen in Indonesien war diese auf Montag verschoben worden.Unter den Gläubigerbanken sind neben der Deutschen Bank, der Chase Manhattan und der Tokyo Mitsubishi Bank, die die Verhandlungen leiten, unter anderem die niederländische ABN Amro, die Bank of America, die französische BNP, die Citibank, die Korea Development Bank, die Oversea/Chinese Banking Corporation und die japanische Sumitomo.

Obwohl der Internationale Währungsfonds (IWF) am Sonnabend weitere Kredite für Indonesien angekündigt hatte, drückte am Montag die anhaltende Unsicherheit über die politische und wirtschafliche Zukunft des Landes auf die Landeswährung Rupiah und den Börsenhandel.Nach einem Schlußkurs von 11 200 Rupiah am Freitag wurde der US-Dollar am Montag nach einem schwachen Wochenauftakt in Jakarta mit 11 550 Rupiah gehandelt.Gleichzeitig gab der Aktenindex bis zum späten Nachmittag um 8,94 Zähler oder 2,1 Prozent auf 411,52 Punkte nach.

Auch an der Aktienbörse in Tokio ist es am Montag aufgrund erneuter Befürchtungen über die wirtschaftliche Entwicklung in Japan und anderen Ländern Asiens zu einem massiven Kursrutsch gekommen.Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte brach um 2,2 Prozent oder 349,75 Punkte auf 15 321,03 ein.Scharfe Abgaben an den Börsen in Hongkong und Taiwan hätten im Nachmittagsgeschäft in Tokio zu Verkäufen auf breiter Front geführt, erklärte ein Händler.Auch der erneute Anstieg des US-Dollars über die Marke von 139 Yen habe auf den Aktienmarkt gedrückt, hieß es.

Am Sonnabend hatte der IWF-Regionaldirektor für Asien und den Pazifik, Hubert Neiss, nach Krisengesprächen mit der neuen Regierung unter Präsident Habibie weitere Hilfen angekündigt.Der bisherige Präsident Suharto war am 21.Mai unter wachsendem Druck gegen sein Regime zurückgetreten.Neiss sagte, der neue Präsident Habibie habe ihm versichert, die neue Regierung stehe voll zu den im April mit dem IWF getroffenen Reformvereinbarungen."Wir wollen aufrichtig Reformprogramme umsetzen", zitierte auch die Tageszeitung "Jakarta Post" Habibie.Indonesien brauche "die totale Reform, aber keine anarchischen oder mit Gewalt verbundenen Reformen." Die Regierung befürchtet, daß sich wegen der zerütteten Wirtschaft die Arbeitslosigkeit von jetzt rund zehn Millionen Menschen bis Jahresende dramatisch auf 30 Millionen erhöhen könne.Wegen der unsicheren politischen Lage in Indonesien hatte der IWF die zum 4.Juni geplante Überweisung von über einer Mrd.Dollar an Jakarta storniert.

Unterdessen dementierte ein Sprecher des indonesischen Auto-Herstellers PT Timor Putra Nasional einen Zeitungsbericht, wonach der jüngste Sohn des Ex-Präsidenten Suharto, Hutomo Mandala Putra, seinen Anteil an Italiens Sportwagenhersteller Lamborghini an Volkswagen verkaufen wolle.Es gebe keine Pläne für einen Verkauf der Anteile, sagte er am Montag.

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