Wirtschaft : Indonesische Aktien nur für Mutige

MARKUS GÄRTNER (HB)

Die meisten Fondsprofis machen um das Land noch einen BogenVON MARKUS GÄRTNER (HB)Wenn Fondsmanager der bekannten Investmentgesellschaften in diesen Tagen über ein Engagement in Südostasien sprechen, erwähnen sie Indonesien selten.Es sei denn, sie wollen vor den Unwägbarkeiten in dem 202-Millionen-Einwohner-Land warnen: Galoppierende Inflation, Unruhen, Arbeitslosigkeit und Hunger dominieren die Schlagzeilen.Die Börsianer sind außerdem damit beschäftigt, die wenigen Firmen herauszufiltern, die bei astronomischen Zinsen und der atemberaubend schwachen Währung Rupie überleben können. Die strenge Zurückhaltung überrascht etwas, zumal es vor allem ausländische Fonds waren, die den Composite Index an der Börse von Jakarta im März um knapp 10 Prozent mit nach oben getrieben haben.Und das, obwohl zu dieser Zeit die Auszahlung der zweiten IWF-Tranche an das Land ausgesetzt wurde und die drei Wochen dauernde Nachverhandlung die zweite seit Mitte Januar für das Beistandspaket von 40 Mrd.Dollar kaum vorankamen."Der März hat gezeigt", frohlockte die regierungsfreundliche Zeitung "Bisnis Indonesia" am Ende vergangenen Monats, "daß die Investoren wieder großes Interesse an Indonesien haben". Kurz darauf holte die Realität die Börsianer, aber auch die Journalisten des Blattes wieder ein: Die Kurse gingen erneut auf Tauchstation.Inzwischen haben sich IWF und die Regierung von Präsident Suharto auf einen Kompromiß über die Umsetzung des Beistandspaketes vom Oktober geeinigt.Doch überzeugt sind die wenigsten Marktteilnehmer von dieser Vereinbarung."Keine wesentlich neuen Punkte", sagt ein Devisenhändler, der wie so viele in der Region seit Ausbruch der Krise nicht namentlich genannt werden will."Bevor wieder richtige Kauflaune aufkommt", heißt es in der Fondsbranche bezogen auf Indonesien, "müssen erst einmal klare Reformschritte erkennbar sein". Am positivsten zum indonesischen Aktienmarkt hat sich in den vergangenen Tagen Mark Möbius geäußert.Er verwaltet von Hongkong aus den 15 Mrd.Dollar schweren Emerging Markets Fonds der Finanzgruppe Templeton.Möbius empfiehlt fast enthusiastisch Bankwerte in Indonesien und in Thailand.Sein Argument: Weil vielen Kreditkunden der Banken in diesen Wochen und Monaten die Luft ausgehe und die Geldhäuser sich an Immobilien und anderen Sachwerten schadlos hielten, fielen ihnen reihenweise stark unterbewertete "assets" zu. "Die Banken werden gezwungen sein, viele Kredite abzuschreiben und die gegebenen Sicherheiten dafür in die Bücher zu nehmen.Doch diese Sicherheiten werden nach der Krise viel mehr wert sein als heute.Und das wird unter dem Strich positiv sein", erklärt der Templeton-Mann.Mit anderen Worten: eine Sachwertexplosion als Hebel für die Aktienkurse.Keine schlechte Aussicht, wenn die Rechnung aufgeht.Doch niemand weiß heute, wie lange man warten muß, bis es soweit ist.Das Fazit von Möbius lautet: Neben Thailand biete Indonesien unter diesem Aspekt die interessantesten Anlagemöglichkeiten. Diese Einschätzung widerspricht zumindest kurzfristig der in Jakarta vorherrschenden Meinung, die Banken seien ein heißes Eisen.Ein verheerender Liquiditätsengpaß stranguliert die Institute derzeit regelrecht.Ausländische Banken geben lokalen kaum noch Kredite, große Geldhäuser geben kleinen kein Geld mehr.Und weil die Zahl der Firmenpleiten sprunghaft zunimmt, könnte der Anteil fauler Kredite am gesamten Kreditvolumen bald auf 50 Prozent oder mehr steigen. Die Regierung hat den Banken eine Frist von zehn Monaten zur Konsolidierung gesetzt.Anfang April wurden sieben Lizenzen eingezogen und weitere sieben Banken unter staatliche Kontrolle gestellt.Bei Zielverfehlung droht der Entzug weiterer Lizenzen.Zumindest in dieser Zeitspanne bleibt jegliches Engagement in indonesischen Bankentiteln ein Pokerspiel. Zu den Indonesien-Titeln, die einzelne Asienfondsmanager trotzdem in ihr Portfolio nehmen, gehören cash-starke Unternehmen wie die Versorger, Firmen mit hohem US-Dollaranteil an den Erlösen oder der Telefon-Monopolist PT Telkom.Er profitiert davon, daß die Regierung bereits zweimal in diesem Jahr, zuletzt am 1.April, die Tarife angehoben hat.Höhere Preise treiben seit einigen Tagen auch den Aktienkurs des Zigarettenherstellers Gudang Garam in die Höhe.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben