Wirtschaft : Industrie fürchtet Gesetze gegen Pfunde EU will Übergewicht bei Kindern bekämpfen

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Berlin - Kinder sind in Deutschland ein dickes Problem. Schon bei der Einschulung haben zehn bis 15 Prozent der Kleinen zu viele Pfunde auf den Rippen, vier bis acht Prozent sind sogar fettleibig. Die Lebensmittelwirtschaft hat gesetzliche Maßnahmen in Deutschland bislang erfolgreich abgewehrt und eine freiwillige Selbstregulierung durchgeboxt. Neue Unbill könnte jetzt aber aus Brüssel drohen, befürchtet die Industrie – etwa in Form von Werbeverboten für Kinderlebensmittel oder strengen Vorschriften für „ungesunde“ Inhaltsstoffe wie Salz, Fett und Zucker. „Wir befürchten, dass das Problem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen gesetzgeberisch angegangen wird“, sagt Theo Spettmann, der Präsident des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), der das Thema an diesem Donnerstag bei der BLL-Jahrestagung in Berlin mit Politikern und Verbraucherschützern diskutieren wird.

In Deutschland ist das Thema Übergewicht im Koalitionsvertrag verankert. Darin heißt es, dass eine Verbraucherpolitik angestrebt wird, die „nicht auf bürokratische Reglementierung, sondern auf die gestaltende Funktion im Wettbewerb setzt“ und die „ein Gleichgewicht zwischen Verbraucher- und Wirtschaftsinteressen suchen“ soll. Auf EU-Ebene könnten große Hersteller wie McDonald’s, Pepsi & Co weniger glimpflich wegkommen. Der BLL sucht daher Unterstützung beim neuen Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU), der sich beim Thema dicke Kinder – anders als seine grüne Vorgängerin Renate Künast – bislang zurückgehalten hat. Er möge doch der Brüsseler Politik „eine Absage erteilen“, fordert BLL-Präsident Theo Spettmann laut Redemanuskript. In Deutschland sei man bereits viel weiter, sagte er in Anspielung auf die „Plattform Ernährung“, in der sich das Verbraucherministerium, Verbände, Unternehmen und zwei Bundesländer zusammengeschlossen haben, um mit Projekten zum Abschmelzen der Kinderpfunde beizutragen.

Verbraucherschützer warnen dagegen davor, das Thema Übergewicht auf EU-Ebene fallen zu lassen. „Die Regelungen müssen schnellstmöglich in Kraft treten“, sagte Angelika Michel-Drees, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Vor allem das Verbot bestimmter Werbung für Kinderlebensmittel müsse dringend auf die Tagesordnung. pet

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