Wirtschaft : Industrie muss mehr für Versicherungen zahlen

bir/asi

Nach den Attentaten in New York müssen sich viele Industrieunternehmen auf höhere Versicherungsprämien einstellen. Und nicht nur das - auch die Versicherungsbedingungen werden sich ändern. Versicherer werden sich in Zukunft nur noch auf ein Jahr festlegen und die Schadenshöhe nach oben begrenzen wollen. Was das heißt, haben schon jetzt zahlreiche Spediteure zu spüren bekommen.

"Die Terroranschläge in den USA haben uns in eine völlig neue Situation gebracht", sagte Wolf Otto Bauer, Vorstandsmitglied der Münchener Rück in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Bei solchen Risiken, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Prämien deutlich zu erhöhen." Versicherungsunternehmen werden sich also künftig nur noch teurer selbst für große Schadensfälle rückversichern können. Und nicht nur das. Sie müssen auch mit Haftungsbeschränkungen und niedrigeren Haftungsgrenzen rechnen.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags So will die Münchener Rück künftig Terrorklauseln, wie sie schon in der Luftfahrt gelten, auch in anderen Branchen einführen. "Außerdem werden wir bei von uns übernommenen Haftungen ein Limit pro Ereignis und pro Jahr festlegen", sagte Bauer. Sollte sich die Gefahrenlage grundlegend ändern, müssten die Verträge auch innerhalb von wenigen Wochen gekündigt werden können. "Wir müssen so die Haftung begrenzen, damit die Finanzkraft des Unternehmens nicht nachhaltig erschüttert werden kann", sagte Bauer. Schon dieses Jahr werde die Münchener Rück infolge der Terroranschläge beim Ergebnis kräftige Einbußen hinnehmen müssen. Die Dividende soll aber dennoch stabil bleiben.

Noch ist unklar, in welcher Höhe die Erstversicherer die Beitragserhöhungen an ihre Kunden weitergeben können. Es ist aber kein Geheimnis, dass manche Industrieversicherungen - wie Versicherungen für Betriebsunterbrechungen oder die Haftpflichversicherungen - sich deutlich erhöhen dürften, heißt es auch beim Gerling Konzern in Köln. Teilweise wird in der Branche sogar von einer Verdoppelung der Prämien gesprochen. Der Vorstand der Gothaer Allgemeine, Werner Görg, zeigt Verständnis für Erhöhungen der Rückversicherungsprämien. "Es ist uns insbesondere klar, dass der Kapitalmarkt ein zweites WTC-Ereignis den Rückversicheren nicht verzeihen wird." Er weist aber auch darauf hin, dass die Beitragserhöhung in der Industrieversicherung ohnehin schon längst überfällig war. Der sehr harte Wettbewerb in der Branche hatte dazu geführt, dass die Industrieversicherer über Jahre nicht die Beiträge erhöhen konnten und teilweise mit Verlust arbeiteten.

"Es ist durchaus zu befürchten, dass die Prämien verdoppelt werden", sagt Claudius Jocheim, geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Funk-Gruppe. Der Makler für Industrieversicherungen geht aber dennoch davon aus, dass die Industriekunden diese Erhöhungen akzeptieren werden: "Mangels Alternative und aufgrund des hohen Zeitdrucks werden die meisten die Prämienerhöhungen hinnehmen." Gleichwohl werde man aber versuchen über "Selbstbehalte" die Kostensteigerung bei den Unternehmen in Grenzen zu halten.

Was Beitragserhöhungn bedeuten kann, haben die rund 5000 Speditionsunternehmen in Deutschland in den vergangegen Wochen zu spüren bekommen. Sie sind mit drastischen Prämienerhöhungen sowohl für Haftpflicht- als auch Schadensversicherungen konfrontiert worden. Allein die Schadensversicherungen wurden nach Angaben des Bonner Speditions- und Logistikverbandes von 0,35 auf 0,7 Promille verdoppelt. Auch die Haftpflichtversicherungen sind teilweise drastisch angestiegen. Das Problem für die Transportunternehmen: Sie können die Preissteigerungen nur sehr schwer an ihre Kunden weitergeben, weil der Preiswettbewerb in dieser Branche keinen Spielraum lässt.

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