• Industrie plant neues Rücknahmesystem für Dosen Handel: „Alle sind derzeit in einer Suche - und Findephase“

Wirtschaft : Industrie plant neues Rücknahmesystem für Dosen Handel: „Alle sind derzeit in einer Suche - und Findephase“

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Berlin (pet). Die Getränkeindustrie will einen neuen Versuch starten, um Einwegverpackungen wieder attraktiver zu machen. Nach Informationen des Tagesspiegels aus Industriekreisen wird es am heutigen Donnerstag ein Treffen von Vertretern der Getränkeindustrie und großen Abfüllern geben. Ziel sei die Einführung eines neuen EinwegSystems der RWE-Tochter Deutsche Pfand AG, bei dem Rücknahmecontainer an Sammelstellen aufgestellt werden. Das Treffen soll den Angaben zufolge beim größten deutschen Dosenhersteller Ball Packaging Europa in Ratingen stattfinden, der seit Einführung des Dosenpfandes unter starkem Umsatzrückgang leidet. Keiner der Genannten wollte den Termin am Mittwoch offiziell bestätigen. Eine Sprecherin des Einzelhandelsverbandes HDE sagte dagegen, sie habe von dem Treffen gehört, der HDE – der das Dosenpfand ablehnt – nehme aber nicht teil.

Eine einfache, verbraucherfreundliche Dosenpfandregelung wird damit immer unwahrscheinlicher. Ursprünglich hatten sich Handel und Industrie verpflichtet, bis zum 1. Oktober ein bundeseinheitliches Rücknahmesystem für Pfand-Dosen und -Einwegverpackungen aufzubauen, diese Zusage aber wenige Monate später wieder zurückgezogen. Bislang haben sich nur der Kiosk- Belieferer Lekkerland-Tobaccoland und der Handelskonzern Spar bereit erklärt, ein bundesweites Rücknahmesystem aufzubauen. Andere Konzerne haben Dosen ganz aus den Regalen genommen. Viele Discounter planen eigene Rücknahmesysteme.

Doch wenige Monate vor der geplanten Einführung des bundeseinheitlichen Rücknahmesystems am 1. Oktober ist noch völlig unklar, wie es aussehen soll und wer es bezahlt. „Alle sind derzeit in einer Suche- und Findephase“, sagt Verena Böttcher, Geschäftsführerin Umwelt im HDE. Es gebe eine große Unsicherheit im Handel.

Die Hauptsorge der Unternehmen sind die Kosten. Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wären Investitionen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro erforderlich, um ein national einheitliches Pfandsystem aufzubauen. Die laufenden Kosten würden sich auf circa 850 Millionen Euro pro Jahr belaufen.

Um diese Investitionen zu umgehen, wollen die Getränkeindustrie und Abfüller nach Informationen aus Industriekreisen das billigere Einweg-System der RWE-Tochter Deutsche Pfand AG wieder ins Gespräch bringen. Es hatte sich im Januar nicht gegen die Automatenlösung durchsetzen können. Danach werden die Dosen gekennzeichnet und im Container zurückgenommen. Zu den Kosten hatte Michael Daems, Vorstand der Deutsche Pfand AG, im Januar gesagt: „Wir rechnen mit etwa 500 Millionen Euro, die wir im Bedarfsfall selbst aufbringen würden.“ Am Mittwoch war das Unternehmen zu keiner Stellungnahme bereit. Nach Auskunft von HDE-Vertreterin Böttcher prüfen aber verschiedene Unternehmen, ob sie das Einweg-System der Pfand AG einführen sollen.

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