Wirtschaft : Industrie rät: Mehr arbeiten, weniger ruhen Wie die Wirtschaft Deutschland flottmachen will

Cordula Eubel,Ursula Weidenfeld

Berlin - Die Deutschen sollen länger arbeiten – auch unbezahlt, damit es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht, fordern die Chefs der Spitzenverbände der Wirtschaft in einer Umfrage des Tagesspiegel. „Wir müssen länger und flexibler arbeiten – und das ohne Lohnausgleich. 40 bis 42 Stunden sind durchaus zumutbar. Denn dadurch entstehen neue Jobs“, sagt Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Rogowski kritisierte die Lohnforderungen der Gewerkschaften: „Wir müssen Wege finden, den Lohnanstieg zu bremsen: Die Löhne müssen künftig der Produktivität folgen, und nicht umgekehrt: Sonst werden weiter Arbeitsplätze vernichtet.“

Auch der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, forderte von den Gewerkschaften mehr Beweglichkeit. „Die Tarifverträge müssen die Möglichkeit bieten, dass flexibler und auch länger gearbeitet werden kann, auch ohne Lohnausgleich.“

„Wir können die Haushaltsmisere nur überwinden, wenn wir mehr arbeiten und unsere Wirtschaft dadurch wieder stärker wächst“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Wenn das gelinge, stiegen auch die Steuereinnahmen wieder. Deutschland müsse als Standort wieder wettbewerbsfähiger werden. „Das bedeutet vor allem: längere Wochen- und Lebensarbeitszeiten bei gleichen Löhnen – und die Steuer- und Abgabenlast für die Unternehmen muss sinken“, sagte er.

Wansleben warnte die Bundesregierung davor, weiter in die Neuverschuldung zu gehen. „Wer glaubt, mit neuen Schulden die Konjunktur ankurbeln zu können, lügt sich in die Tasche“, sagte Wansleben. „Bitte keine Renaissance des Lafontainismus!“, forderte er. Arbeitgeberpräsident Hundt sieht das ebenso. „Deutschland muss endlich den Teufelskreis von Wachstumsschwäche, Arbeitslosigkeit und Überschuldung durchbrechen“, sagte er. Weitere und höhere Schulden seien „der falsche Weg“. Eine grundlegende Reform des Arbeitsmarktes, eine umfassende Sanierung der sozialen Sicherungssysteme und ein modernes Steuersystem gehörten zu den dringendsten Aufgaben, mahnte Hundt an.

Der Bundesregierung empfiehlt Rogowski eine Steuerreform. „Wir brauchen eine große Steuerreform mit deutlicher Senkung der Steuersätze. Wir müssen ran an die Subventionen, um damit niedrigere Steuersätze zu finanzieren“, sagte der Industriepräsident. Darüber hinaus regte er an, die Sozialhilfesätze für erwerbsfähige Sozialhilfebezieher zu senken. „Wir müssen Arbeit finanzieren, und nicht Nichtarbeit“, sagte er. Bei den Sozialversicherungen müssten endlich die Sozialbeiträge vom Arbeitsplatz entkoppelt werden. „Wenn wir dies nicht schaffen, müssen wir uns nicht wundern, wenn immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland abwandern“, sagte Rogowski.

Von den Arbeitnehmern forderte Industriepräsident Rogowski die Bereitschaft, bis 67 zu arbeiten. „Wenn wir das alles tun, dann kann die deutsche Wirtschaft bald wieder um die drei Prozent wachsen, die Schwelle, ab der Wachstum neue Jobs schafft, auf ein bis 1,5 Prozent halbiert werden. Und dann ist Deutschland wieder ganz vorne mit dabei.“

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