Wirtschaft : Industrie stützt den Aufschwung

Branche steht für ein Viertel der Wirtschaftsleistung / Maschinenbau will 10 000 neue Stellen schaffen

Carsten Brönstrup

Berlin - Die deutsche Industrie erwirtschaftet nur noch ein Viertel des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Im vergangenen Jahr habe sie Werte von insgesamt 490 Milliarden Euro geschaffen, erklärte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden. Das sind 24 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung – 1970 waren es hingegen noch 37 Prozent. Dieser allmähliche Bedeutungsverlust sei durch den Aufschwung aber gestoppt, sagte Ralph Wiechers, Chefökonom des Maschinenbauverbandes VDMA, dieser Zeitung. Derzeit arbeitet knapp jeder fünfte Beschäftigte in dem Wirtschaftszweig.

Die Industrie gilt als wichtigste Stütze des Aufschwungs – die Unternehmen im In- und Ausland kaufen neue Maschinen und Anlagen, um die starke Nachfrage aus der ganzen Welt befriedigen zu können.

In den vergangenen Jahren waren aber andere Sparten der Wirtschaft stärker gewachsen. Vor allem der Dienstleistungsbereich ist wichtiger geworden. Während die Wertschöpfung in der Industrie zwischen 1970 und 2006 durchschnittlich nur um 1,5 Prozent im Jahr stieg, waren es in der Gesamtwirtschaft 2,2 Prozent. Bei der Produktivität und den Lohnkosten gab es höhere Zuwächse als in der Gesamtwirtschaft, während die Lohnstückkosten lange Zeit langsamer stiegen. Berlin hatte diese Entwicklung besonders heftig zu spüren bekommen, seit der Wende gingen in der Industrie jedes Jahr etwa 10 000 Stellen verloren.

„Dieser Trend ist durchbrochen“, befand VDMA-Experte Wiechers. Der Maschinenbau ist der größte Industriezweig, er trägt mehr als ein Siebtel zum Gesamtergebnis bei. „Wir profitieren von den guten Geschäften mit dem Ausland natürlich stärker als Steuerberater oder Friseure.“ Ohnehin sei der Bedeutungsverlust der Industrie nicht so stark wie in der Statistik ausgewiesen. „Ohne eigene Serviceangebote verkauft eine Industriefirma heute keine einzige Maschine“, warf er ein.

In den vergangenen drei Jahren sei die Produktion um 19 Prozent gewachsen, 2007 dürften es erneut vier Prozent sein. Das werde sich auch auf die Arbeitsplätze auswirken. „Es könnte gut sein, dass wir 10 000 Menschen einstellen“, prognostizierte Wiechers. Derzeit arbeiten 885 000 Beschäftigte bei der überwiegend mittelständisch geprägten Branche. Die genauen Zahlen hingen aber ab vom Ergebnis der Tarifrunde. Ohnehin hätten es die Firmen schwer, geeignetes Personal wie etwa Ingenieure zu finden.

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