Industriegüter : Thyssen-Krupp stellt Industrie-Dienstleistungen zum Verkauf

Massive Umstrukturierungen bei Thyssen-Krupp: Der Industriekonzern ordnet seinen nach dem Stahl zweitgrößten Geschäftszweig Dienstleistungen neu. Weltweit stehen 23.000 Jobs auf dem Spiel.

Düsseldorf Thyssen-Krupp will sich in der Sparte Services von den Industrie-Dienstleistungen trennen. Die Sparte mit 23.000 Mitarbeitern und 1,7 Milliarden Euro Umsatz solle als Ganzes oder in einzelnen Teilen an einen oder mehrere Käufer abgegeben werden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Zur Begründung des Verkaufs der Sparte mit 12.000 Mitarbeitern in Deutschland sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz, die Industrie-Dienstleistungen seien die kleinste Einheit in der Abteilung Services und hätten somit die geringsten Zusammenwirkungen mit dem Kerngeschäft. Zu den Industrie-Dienstleistungen gehören Montage sowie die Wartung und Instandhaltung von Industrieanlagen. Seit Abschluss seiner Umstrukturierung vor drei Jahren steht Thyssen-Krupp auf den drei Säulen Stahl, Industriegüter und den in die beiden Abteilungen Aufzüge und Services unterteilten Dienstleistungen.

Stahlservice soll im Unternehmen verbleiben

Das bislang ebenfalls zu den Industrie-Dienstleistungen gehörende Stahlservice-Geschäft in Deutschland und Brasilien mit rund 7000 Beschäftigten und 300 Millionen Euro Umsatz will Thyssen-Krupp aber behalten. Es soll Teil der auch zur Services-Abteilung gehörenden Sparte Spezialprodukte werden. In dieser Sparte, die das Handelsgeschäft mit Walzstahl, Rohren und Rohstoffen sowie Bau- und Gleistechnik umfasst, will Thyssen-Krupp einen Investor mit einer Minderheitsbeteiligung von höchstens 40 Prozent ins Boot nehmen, um das Asien- und Osteuropa-Geschäft auszubauen.

Die Erlöse aus dem Verkauf der Industrie-Dienstleistungen will Thyssen-Krupp in das Service-Geschäft reinvestieren und sich zum weltweit größten Werk- und Rohstoffdienstleiter entwickeln, wie der Vorstandschef der Service-Abteilung, Edwin Eichler, betonte. Mit einer "Vorwärtsstrategie" werde das Segment "in neue Größenordnungen" gebracht. Dazu sollen auch die Investitionen in den Werkstoffbereich in den nächsten Jahren verdreifacht werden.

Für Käufer "hochattraktiv"

Im Segment Services machte Thyssen-Krupp im vergangenen Geschäftsjahr 2006/07 rund 16,7 Milliarden Euro Umsatz bei einem Vorsteuer-Ergebnis von 704 Millionen Euro. Mittelfristig seien 20 Milliarden Euro Umsatz und ein Vorsteuer-Ergebnis von rund einer Milliarde Euro geplant, sagte Eichler. Er betonte, die nun zum Verkauf stehenden Industrie-Dienstleistungen seien "hochprofitabel" und daher für potenzielle Käufer "hochattraktiv".

Seit der Fusion von Thyssen und Krupp vor knapp zehn Jahren trennte sich der Konzern im Zuge seines Umbaus von Randaktivitäten mit insgesamt 9,5 Milliarden Euro Umsatz. Zugleich wurden 8,5 Milliarden Euro in Zukäufe für das Kerngeschäft investiert. Teil des aktuellen Investitionsprogramms über 20 Milliarden Euro ist unter anderem der Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA.

Im laufenden Geschäftsjahr will Thyssen-Krupp den Umsatz laut Schultz von 51,7 auf 53 Milliarden Euro bei einem Gewinn vor Steuern und Sondereffekten von 3,2 (Vorjahr 3,3) Milliarden Euro ausbauen. Mittelfristig strebt der Konzern 60 Milliarden Euro Umsatz und ein Vorsteuerergebnis von bis zu 5 Milliarden Euro an. (mfa/ddp)

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