Wirtschaft : Industriekonjunktur kommt nur zögernd in Schwung

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In der deutschen Industrie gibt es Anzeichen für eine Erholung von der Konjunkturkrise. Die Entwicklung habe sich zum Besseren gewendet, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht für April, der am Montag veröffentlich wurde. "Die Belebung hält sich aber noch in Grenzen", schreiben die Volkswirte der Notenbank. Gegenüber dem letzten Jahresviertel 2001 hätten die Auftragseingänge um 1,25 Prozent zugenommen. Positive Impulse habe es aus dem Ausland gegeben. Die Bestellungen aus dem Inland hätten sich im Januar und Februar hingegen auf dem niedrigen Niveau der Vormonate stabilisiert, erklärte die Bundesbank. Auf dem Arbeitsmarkt hätten sich die Aufschwungtendenzen indes noch nicht bemerkbar gemacht.

Dagegen hält die Krise in der Bauwirtschaft an. Besonders die gewerbliche Wirtschaft habe sich im Januar und Februar bei der Vergabe von Bauaufträgen zurückgehalten, teilten die Experten mit. Im Vergleich zum Vorjahr war ein Rückgang von rund drei Prozent zu verzeichnen. Zwar hätten sich die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Januar und Februar saisonbereinigt gegenüber dem Tiefpunkt im Dezember erhöht. Das durchschnittliche Niveau des vierten Quartals sei jedoch kaum überschritten worden. "Hinter dem vergleichbaren Vorjahresergebnis blieben die Geschäftsaktivitäten um 4,75 Prozent zurück."

Die Wirtschaftsflaute macht sich auch im Hotel- und Gaststättengewerbe immer stärker bemerkbar. Die Umsätze der Branche sanken im Februar nominal um drei Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Ohne die vielerorts erfolgten Preiserhöhungen hätte das Minus sogar bei 6,8 Prozent gelegen.

Dennoch plant die Bundesregierung offenbar, ihre Wachstumsprognose für 2002 leicht anzuheben. Statt 0,75 Prozent werde es Beobachtern zufolge nun "in Richtung ein Prozent" gehen. Banken und internationale Organisationen hatten in den vergangenen Tagen ebenfalls ihre Erwartungen nach oben geschraubt. Die sechs führenden Wirtschaftsinstitute werden am Dienstag in ihrem Frühjahrsgutachten die Prognose auf 0,9 Prozent senken. Zuvor waren sie von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen. Die CDU/CSU im Bundestag übte unterdessen Kritik an der Politik der rot-grünen Bundesregierung. Für Konjunktur-Optimismus gebe es keinen Grund, sagte der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Dietrich Austermann. "Das Wachstum bleibt mickrig." Die Regierung habe "dem ehemaligen Stabilitätsmusterland Deutschland mit ihrer Politik schweren Schaden zugefügt" und "verteidigt die Rote Laterne in Europa".

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