Wirtschaft : Industriekonzern Kvaerner droht die Zerschlagung

Der norwegische Anlagen- und Schiffbaukonzern Kvaerner hat am Montag trotz akuter Konkursgefahr Rettungspläne seiner beiden größten Anteilseigner Yukos Oil aus Russland und Aker Maritime aus dem eigenen Land abgelehnt. Vorstandschef Kjell Almskog kündigte wenige Tage vor seinem bereits feststehenden Rücktritt einen eigenen Sanierungsplan an, ohne aber Einzelheiten zu nennen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Harald Arnkvärn erklärte, er sei "optimistisch", dass eine Lösung unter Beteiligung aller Betroffenen gefunden werden könne. Die Lage um Kvaerner wurde von Beobachtern in der norwegischen Hauptstadt als undurchsichtig bis chaotisch eingestuft.

Als Grund für die Krise gilt die nur durch Kredite finanzierte Übernahme des britischen Anlagenbauers Trafalgar House durch Kvaerner Mitte der 90er Jahre. Die norwegische Regierung hat bisher alle Bitten um staatliche Hilfen zurückgewiesen. Interesse an der Rettung von Teilen des Konzerns haben offenbar industrielle Investoren, die bereits an Kvaerner beteiligt sind. Der russische Öl- und Gaskonzern Yukos Oil hatte dem angeschlagenen Konzern am Wochenende dringend benötigtes Kapital zur Sicherung der kurzfristigen Liquidität angeboten. Es wurden dabei ebenso wenig Einzelheiten oder Bedingungen bekannt wie bei einem bereits vorher von der Unternehmensführung zurückgewiesenen Angebot des norwegischen Konkurrenten Aker Maritime.

Yukos wollte auch die Kaufsumme von 111 Millionen Euro für zwei übernommene Kvaerner-Töchter "so schnell wie möglich" nach Norwegen überweisen. Yukos war in den vergangenen Wochen durch die schrittweise Übernahme von Aktien mit knapp 25 Prozent zum größten Einzelaktionär bei Kvaerner geworden. Die Aker-Gruppe mit dem Industriellen Kjell Inge Rökke als Hauptinhaber verfügt über knapp 18 Prozent der Kvaerner-Anteile. Beobachter in Oslo sehen es als wahrscheinlich an, dass diese beiden um die lukrativsten Kvaerner-Aktivitäten als Ausrüster bei der Gas- und Ölförderung auf See konkurrieren und den Rest veräußern wollen.

Dazu gehören auch mehrere Werft-Beteiligungen wie die Rostocker Tochter, die bereits seit längerem zum Verkauf steht. Als Hindernis für eine Veräußerung galten dabei vor allem Produktionsbegrenzungen durch die EU, die in der letzten Woche gelockert wurden. In Rostock-Warnemünde wollten sich weder Vertreter der örtlichen Geschäftsleitung noch der Betriebsrat über eine mögliche Zukunft unter dem Dach des russischen Yukos-Konzerns äußern.

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