Wirtschaft : Industrieländer fordern Wandel in Deutschland Mehr Innovationen statt Lohnzurückhaltung

Berlin - Die deutsche Wirtschaft muss innovativer werden, um auf lange Sicht ihren Exporterfolg zu sichern. Bei der Entwicklung neuer Produkte habe Deutschland in den vergangenen Jahren international an Boden verloren, sagte Angel Gurría, Generalsekretär der Industrieländervereinigung OECD, am Freitag in Berlin. „Deutschland darf sich nicht mehr darauf verlassen, beim Preis die Nase vorn zu haben“, mahnte er bei der Vorstellung des neuen OCED-Deutschlandberichtes. Die Politik müsse Anreize schaffen, damit die Unternehmen innovativer würden.

Die Kritik an der starken Exportorientierung Deutschlands teilt Gurría zwar nicht. Der hohe Überschuss in der deutschen Handelsbilanz – also die Tatsache, dass Deutschland deutlich mehr Waren exportiert als importiert – sei international zwar ein Streitpunkt. „Wir glauben aber, die wirklichen Herausforderungen liegen woanders“, sagte der OECD-Mann. So hätten die Unternehmen in den vergangenen Jahren zu wenig im Inland investiert. Die Exporterfolge beruhten auf Lohnzurückhaltung und Produktionsverlagerungen ins billigere Ausland. „Es wird einen Zeitpunkt geben, an dem der Preisvorteil bei der Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr groß genug ist.“ Deshalb dürfe sich das Land nicht allein auf diesen Faktor stützen. „Am besten gestern“ solle die Regierung Reformen verabschieden, die Innovationen und damit mehr Wirtschaftswachstum begünstigen und die Binnennachfrage stärkten.

Dazu zählt die OECD steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung. Außerdem seien weiterhin Reformen bei der Bildung nötig, damit mehr junge Menschen einen Hochschulabschluss erreichten. Auch müsse es einfacher werden, ein Unternehmen zu gründen oder zu schließen. Als Hemmnis für Innovationen machte die OECD zudem den Kammerzwang bei freien Berufen aus, also bei Architekten, Ärzten oder Apothekern. brö

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