Wirtschaft : Infineon-Chef: Debatte um Vorstandsgehälter „irrational“

Aktieninstitut bescheinigt den Anlegern Reife – denn sie haben gelernt, dass man Aktien kaufen kann, aber nicht muss

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Frankfurt (Main) (ro). Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) sieht zwar weiteren Handlungsbedarf bei der Diskussion über die Führung der Unternehmen (Corporate Governance). DAIPräsident Max Dietrich Kley warnt aber vor der Überleitung des Corporate-Governance-Kodex in gesetzliche Regelungen. Er bekundet Verständnis dafür, dass die meisten Konzerne auch für 2003 die Vorstandsgehälter nicht individuell ausweisen. Ökonomisch sei darin für den Anleger kein Vorteil zu erkennen. Die Debatte trage mittlerweile „irrationale Züge“, sagte Kley, derzeit Interimschef von Infineon, auf der DAI-Jahrespressekonferenz.

Nach Ansicht Kleys ist der Aufsichtsrat für die Regelung der Vorstandsgehälter zuständig. Sollten die Aktionäre mit der Arbeit der Aufsichtsräte nicht zufrieden sein „ist die Abwahl das Gebot, nicht die Individualisierung der Vorstandsgehälter im Geschäftsbericht“.

Allerdings ist auch das DAI nicht angetan davon, dass in den Aufsichtsräten immer öfter Entscheidungen in Ausschüsse verschoben werden. „Oft verlässt sich der Gesamtaufsichtsrat auf die Berichte der Ausschussvorsitzenden, die meistens aus Zeitmangel am Ende der Aufsichtsratssitzung verkürzt entgegengenommen wird“, sagt Kley. So werde die Verantwortung des Gremiums eher in Frage gestellt als gestärkt. Die Zahl der Ausschüsse müsse begrenzt werden. „Das DAI wird sich dafür einsetzen, eine weitere Aushöhlung des Aufsichtsrates durch falsch verstandene Spezialisierungstendenzen zu verhindern.“

Entschieden spricht sich Kley allerdings dagegen aus, dass die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) künftig Vertreter nicht nur in die Aufsichtsratssitzungen, sondern auch in die Ausschüsse entsenden können. Dadurch werde die Arbeit wenig effizient und die Offenheit der Diskussion gestört.

An der Börse registriert DAI-Geschäftsführer Rüdiger von Rosen eine „neue Aufbruchstimmung“, die sich nicht nur in steigenden Kursen und der Stabilisierung der Aktionärszahlen (derzeit in Deutschland rund 11,1 Millionen), sondern auch in wieder geplanten Neuemissionen zeige. Dass die ersten beiden Börsengänge (X-Fab und Siltronic) abgesagt wurden, zeige zwar, dass es holpriger vorangehe als gewünscht. Es sei, so von Rosen, aber auch ein Indiz dafür, dass der Markt funktioniert. „Die Anleger haben gelernt, dass man Aktien kaufen kann, aber nicht unbedingt kaufen muss.“ Die geplatzten Börsengänge sollten, so von Rosen, ein deutlicher Hinweis für alle anderen Emissionskandidaten sein, dass Übertreibungen der Vergangenheit angehören. „Realitätsbezug ist ein wesentlicher Teil der Aktienakzeptanz der Anleger.“ Den sieht der DAI-Geschäftsführer im Übrigen – im Gegensatz zur Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre – durch den Entwurf für das Gesetz zur Unternehmensintegrität und des Anfechtungsrechtes (UMAG) gestärkt. Damit werde die Durchsetzung von Anlegerrechten erleichtert, aber auch die missbräuchliche Ausnutzung dieser Rechte eingedämmt.

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