Infineon : Der Nächste, bitte

Nach nur einem Vierteljahr trennt sich Infineon von seinem Finanzchef Rüdiger Günther. Der will aber offenbar den Konzern gar nicht verlassen.

J. Hofer,W. Gillmann
Infineon
Alles neu: Die Infineon-Zentrale "Campeon" nahe München. -Foto: dpa

München/Düsseldorf – Nach nur drei Monaten im Amt muss Infineon-Finanzvorstand Rüdiger Günther gehen. In einer Aufsichtsratssitzung wurde dem 49-Jährigen am Montag eine Trennung nahegelegt. Es müssten noch die Modalitäten der Vertragsauflösung geklärt werden, hieß es am Montag nach der Sitzung in Branchenkreisen. Eine weitere Zusammenarbeit sei aber nicht mehr vorstellbar. Nach Einschätzung in Günthers Umfeld will sich dieser dem Druck nicht beugen und nicht von sich aus gehen.

Im Umfeld des Unternehmens wurde auf den autoritären Führungsstil Günthers verwiesen. Er sei schlicht ein „Fehlgriff“ gewesen. Günters großspuriges Auftreten sei unter seinen Mitarbeitern überhaupt nicht gut angekommen. „Er ist vielen Leuten auf die Füße getreten“, sagt ein Insider. Schon die ersten Treffen mit seinen neuen Untergebenen waren wohl ein Desaster, ist im Unternehmen zu hören. In Windeseile hat es sich der Vater von zwei Kindern mit seinen engsten Mitarbeitern gründlich verdorben. Nach einigen Wochen muss auch Infineon-Chef Wolfgang Ziebart klar geworden sein, dass sein neuer Vorstandskollege offenbar ganz anders ist, als sich das alle vorgestellt hatten. Zudem habe der Manager fachliche Probleme in der schnelllebigen Halbleiterbranche gehabt. Günther war zuletzt Chef des Landmaschinen-Herstellers Claas.

„Alles Quatsch“, entgegnen Leute, denen sich der geschasste Finanzfachmann in den vergangenen Tagen anvertraut hat.

Bei Claas stellte Günther vor allem die Finanzierung auf neue Füße. Das wollte er jetzt auch bei Infineon in Angriff nehmen. Offenbar brannte der Manager ein ganzes Feuerwerk an Ideen ab. Am Ende waren es so viele Neuerungen, dass den Mitarbeitern angst und bange wurde – behauptet zumindest das Umfeld Günthers. Im Umfeld Günthers wird weiter vermutet, er habe zu sehr in der Vergangenheit gewühlt. Das hätten sich die Getreuen des langjährigen Finanzvorstands Peter Fischl nicht gefallen lassen. Denn vor allem im Zusammenhang mit Bewertungsfragen rund um die neue Konzernzentrale im Münchner Süden seien Ungereimtheiten aufgetaucht. Ein Unternehmenssprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Günthers schnelles Scheitern wirft allerdings auch kein gutes Licht auf Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley und dessen Gespür für die richtigen Top-Manager. Denn es ist nicht das erste Mal, dass der ehemalige Finanzvorstand von BASF mit einem Rauswurf für Aufsehen sorgt: Vor drei Jahren setzte er plötzlich und ohne Vorwarnung den damaligen Vorstandschef Ulrich Schumacher vor die Tür. Offizielle Begründung: Schumachers autoritärer Führungsstil. Dazu kommt, dass kaum ein anderes Dax-Unternehmen in den vergangenen Jahren so schlechte Zahlen abgeliefert hat wie die frühere Siemens-Tochter. Im abgelaufenen zweiten Quartal musste Europas zweitgrößter Halbleiterproduzent erneut einen Verlust von 200 Millionen Euro hinnehmen.

Nachfolger Günthers soll nun wieder ein Interner werden. Mit dem externen Kandidaten habe man ja keine guten Erfahrungen gemacht, hieß es im Umfeld des Unternehmens.J. Hofer/W. Gillmann/HB

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