Wirtschaft : Infineon: Die Hausaufgaben von Infineon

Thomas Magenheim

Bei Infineon knallen die Champagnerkorken. An der Börse sinkt dagegen der Wert des Papiers. Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Denn das bislang beste Jahr des ehemaligen Halbleiterbereichs von Siemens ist nur zum Teil selbst gemacht. Sicher, die Produktivität wurde gesteigert. Infineon gilt in der Chipbranche mittlerweile sogar weltweit als Kostenführer. Auch technologisch reklamieren die Münchner für weite Teile ihres Produktspektrums angesichts von gut 28 000 Patenten und Anmeldungen eine Marktführerschaft. Und die fortschreitende Unabhängigkeit von Siemens bringt neue Kunden, die bislang als Siemens-Konkurrenten den Kontakt zu Infineon gescheut haben. Andererseits ist der Erfolg im wesentlichen auf die Sparte Speicherchips, also einen reinen Marktboom zurückzuführen. Infineon hat die Sonnenseite dieses traditionell massiv schwankenden Chipgeschäfts miterlebt. Demnächst könnte das wieder anders sein. Wenn an den Börsen deshalb die Infineon-Aktie in Bewegung gerät, ist das eigentlich nur ein Ausdruck für die erwartete Entwicklung der Preise für Speicherchips. Das weiß auch Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Deshalb will er die Abhängigkeit vom unsicheren Speichergeschäft reduzieren. Das ist die eigentliche Managementaufgabe, die vor ihm liegt. Von ihrem Gelingen hängt im übrigen nicht nur der eigene Firmenwert, sondern auch der von Siemens ab. Wenn diese am Mittwoch ebenfalls ein Rekordjahr verkünden wird, geht das maßgeblich auf Infineon zurück. So lange das so ist, marschieren auch die Kurse beider Aktien weitgehend im Gleichschritt.

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