Wirtschaft : Infineon: Erholung bei Speicherchips erwartet

Der Halbleiterhersteller Infineon rechnet mit einer Erholung des Marktes für Speicherchips im zweiten Halbjahr 2001, sieht den Ausblick für den Mobilfunkmarkt aber eher pesimistisch. Bei den Speicherchips (Drams) gebe es erste Anzeichen für eine Erholung der Preise, sagte Vorstandschef Ulrich Schumacher am Freitag auf der ersten Hauptversammlung der Siemens-Tochter in Stuttgart. Es sei aber noch nicht klar, wie nachhaltig diese Entwicklung sei. Infineon gehe weiterhin von einer steigenden Dram-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte aus. "Beim Mobilfunk sind wir etwas pessimistischer. Dort rechnen wir mit einer Erholung erst Ende des Jahres", sagte Schumacher. Am Aktienmarkt gehörten die Infineon-Aktien am Freitag mit einem Plus von knapp drei Prozent auf 43 Euro zu den größten Gewinnern. Im Sommer vergangenen Jahres, wenige Monate nach dem Börsengang, wurden die Titel noch mit 90 Euro gehandelt. "Analysten sind sich einig, dass Infineon den Preiskampf überleben wird, weil sie Qualitätsprodukte herstellen und innovativ sind", sagte ein Händler. "Ich glaube, Infineon ist derzeit gut positioniert".

Die Preise für Speicherchips, die auf ein Niveau von knapp über zwei Dollar von noch neun Dollar im Sommer 2000 gefallen waren, sind in den letzten Wochen leicht gestiegen. Experten sind allerdings skeptisch, ob dieser Aufschwung von Dauer ist. Schumacher hält die mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten für den Halbleitermarkt dagegen für gut. Infineon sei zuversichtlich, hier wie bisher deutlich schneller zu wachsen als der Markt.

Vorsichtig äußerte sich Schumacher zum Mobilfunkmarkt. Wegen der anhalten schwachen Nachfrage hatten mehrere Handy-Hersteller wie Ericsson, Motorola und Alcatel ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Mit einer Erholung des Mobilfunkmarktes rechne er erst gegen Ende des Jahres, sagte Schumacher. Infineon ist eigenen Angaben zufolge weltweit Marktführer bei Hochfrequenz-Chips für Mobiltelefone. "Bereits heute steckt in jedem zweiten GSM-Handy ein Infineon-Chip", sagte Schumacher. Für das gerade abgelaufene zweite Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 rechnet Infineon mit einem weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang in der Sparte drahtlose Kommunikation. Früheren Angaben zufolge soll der Umsatz sogar zwischen 20 und 30 Prozent unter dem des Vorquartals liegen. "Prognosen für die weitere Marktentwicklung sind hier derzeit schwierig", sagte Schumacher.

Obwohl sich die gesamte Branche in einem Abschwung befindet, werde sich Infineon 2001 gut behaupten, sagte Schumacher. Denn bei drahtgebundener Kommunikation, Chipkarten und Automobilelektronik, mit denen der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr rund 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet habe, rechne er weiter mit einem robusten Wachstum. "Wir sind zuversichtlich, dass wir in diesem Bereich unsere Margen gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern können", sagte Schumacher. Den Aktionären wurde auf der Hauptversammlung die Auszahlung einer Dividende in Höhe von 0,65 Euro vorgeschlagen.

Vor einem Jahr hatten Analysten und Anleger Siemens-Chef Heinrich von Pierer und dessen Börsenableger Infineon noch bejubelt. Siemens hatte im März 2000 mit großen Erfolg einen Minderheitsanteil von Infineon an die Börse gebracht und hält noch immer 71 Prozent. Mittelfristig will sich der Münchener Technologiekonzern aber vollständig aus seiner Halbleitertochter zurückziehen. Die Aktie des Halbleiterproduzenten bescherte den Investoren, die bei der Zeichung zum Zug kamen, zunächst beachtliche Gewinne. Bald zeichnete sich jedoch ab, dass der Zyklus der Branche seinen Zenit erreicht hatte. In den Jahren kräftiger Nachfrage und wachsender Umsätze haben Hersteller wie Infineon die Produktionskapazitäten für Speicherchips ausgebaut, ohne sich für einen Abschwung zu rüsten. Als der Markt für Speicherchips einbrach, fehlten neuere und raffiniertere Produkte als Wachstumsmotor. Bei Infineon etwa machte der Umsatz mit dem Massenprodukt Speicherchips im vorigen Quartal knapp 30 Prozent des Umsatzes aus.

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