Wirtschaft : Infineon geht in Dresden ans Netz

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Für Infineon beginnt an diesem Mittwoch ein neues Zeitalter der Halbleiter-Produktion: Das Unternehmen nimmt in Dresden die erste Fabrik ans Netz, die Chips auf Siliziumscheiben mit einem Durchmesser von 300-Millimeter fertigen kann. Nach eigenen Angaben ist Infineon weltweit der erste Hersteller, der in die Serienfertigung so genannter Wafer ( siehe Lexikon ) einsteigt. Die Siemens-Tochter verspricht sich von der neuen Produktionslinie Effizienzgewinne von bis zu 30 Prozent. Infineon-Chef Ulrich Schumacher will an diesem Mittwoch in der sächsischen Landeshauptstadt die Details des Projektes vorstellen.

Mit dem Bau der neuen Fabrik, in der einmal gut 1100 Beschäftigte 6000 Siliziumscheiben pro Woche herstellen sollen, hatte Infineon im Mai 2000 begonnen. Bundeskanzler Gerhard Schröder legte damals den Grundstein. Bis zum vollständigen Ausbau will das Unternehmen insgesamt 2,1 Milliarden Mark in Dresden investieren. Schon seit 1998 hatte Infineon zusammen mit dem US-Konzern Motorola in dem Joint-Venture Semiconductor 300 die 300-Millimeter-Technologie entwickelt. Kooperationen verschiedener Hersteller sind bei dieser Technologie üblich, da die aufwändigen und extrem präzisen Produktions- und Transportanlagen einen enormen Investitionsbedarf verursachen. Nahezu alle großen Chiphersteller planen, im kommenden Jahr die Umstellung ihrer Fabriken. Auch Intel und AMD arbeiten an entsprechenden Produktlinien, sind nach Angaben von Infineon aber noch nicht bis zur Serienreife vorgedrungen. AMD fertigt ebenfalls am Standort Dresden Prozessoren. Früheren Angaben zufolge will das Unternehmen im kommenden Jahr 1800 Mitarbeiter in Sachsen beschäftigen.

Für die Erforschung und Entwicklung der neuen Infineon-Produktion hatte die Bundesregierung Forschungsmittel im Umfang von etwa einer Milliarde Mark bereit gestellt. Der Freistaat Sachsen ist über die Leipziger Messe GmbH an dem Werk mit neun Prozent beteiligt. Die öffentliche Unterstützung ist ins Visier der EU-Wettbewerbskommission geraten, die insbesondere Beihilfen des Bundes und des Landes in Höhe von rund 400 Millionen Mark als möglicherweise unerlaubte Finanzspritze prüft. Eine Entscheidung steht noch aus und soll dem Vernehmen nach noch vor Weihnachten fallen. Kommt die EU zu dem Schluss, dass die Höchstförderung deutlich niedriger als die bislang angenommenen 28 Prozent ausfallen muss, würden Infineon gut 300 Millionen Mark für den Bau des Werkes fehlen.

Ungeachtet dieser Unwägbarkeit gibt sich Infineon-Chef Ulrich Schumacher optimistisch, dass er sich mit dem neuen Werk einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil vor der Konkurrenz sichert. Wie alle Halbleiter-Produzenten war auch Infineon im vergangenen Geschäftsjahr in den Sog der schwachen Chip-Konjunktur geraten. Insbesondere die fallenden Chip-Preise und der weltweite Verdrängungswettbewerb machten dem Unternehmen zu schaffen. Im Geschäftsjahr 2000/2001 (30. September) musste ein Verlust vor Steuern und Zinsen von einer Milliarden Euro verbucht werden. Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 5,67 Milliarden Euro. Die Siemens AG hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ihre Beteiligung an Infineon durch den Verkauf von Aktien von zuletzt 50,4 auf unter 50 Prozent gedrückt zu haben. Damit wird die verlustreiche Tochter in Zukunft nur noch als Finanzbeteiligung geführt und nicht mehr voll in der Siemens-Bilanz konsolidiert. Infineon-Aktien gewannen am Dienstag 0,4 Prozent auf 25,95 Euro.

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