Wirtschaft : Infineon glänzt trotz Führungskrise

Überraschend hoher Gewinn/Zwei Kandidaten für Chefposten

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München (nad). Das Geschäft des Halbleiterherstellers Infineon läuft besser als erwartet. Im traditionell schwachen zweiten Quartal überraschte der Münchner Konzern die Analysten mit einem gestiegenen Gewinn. Auch bei der Suche nach einem Nachfolger für den vor vier Wochen zurückgetretenen Konzernchef Ulrich Schumacher gibt es offenbar Fortschritte. Die InfineonAktie reagierte am Mittwoch gleichwohl mit Kursverlusten: Bis Handelsschluss verlor das Papier rund 5,4 Prozent auf 11,37 Euro.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) sei im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 auf 71 Millionen Euro gestiegen, teilte Infineon am Mittwoch in München mit. Im Vorquartal hatte das Unternehmen 70 Millionen Euro erwirtschaftet. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 20 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um drei Prozent auf 1,67 Milliarden Euro. „Im Vergleich zu den furchtbaren Vorjahren ist das zweite Quartal ganz ordentlich gelaufen“, sagte Interimschef Max Dietrich Kley. Das bessere Quartalsergebnis begründete Kley mit einer Umsatzsteigerung im Bereich Automobil- und Industrieelektronik und einem höheren Umsatz bei Speicherprodukten. In der Automobilsparte, die im zweiten Quartal einen Rekordumsatz machte, erwartet Infineon für das zweite Halbjahr wegen einer Vielzahl neuer Modelle und der besseren Stimmung im Kfz-Markt weitere Zuwächse. Auch der Bereich Sichere Mobile Lösungen soll sich weiter solide entwickeln.

Bei den Speicherprodukten, dem Umsatztreiber des Konzerns, erwartet Infineon eine steigende Nachfrage, die sich positiv auf die Entwicklung der Durchschnittspreise auswirken soll. Der Preis für die Herstellung von Speicherchips (DRAMs) soll bis zum Ende des Geschäftsjahres von 4,50 Dollar auf unter vier Dollar fallen. Der durchschnittliche Verkaufspreis habe im zweiten Quartal 4,50 Euro erreicht. Insgesamt rechnet Infineon für 2004 mit einem stärkeren Branchenwachstum als noch vor wenigen Monaten. Im laufenden Jahr werde der weltweite Halbleitermarkt um 22 Prozent zulegen, sagte Vorstandsmitglied Peter Bauer. Zuletzt hatte Infineon noch mit 18 Prozent gerechnet.

Rote Zahlen schrieb im zweiten Quartal nur die Sparte Drahtgebundene Kommunikation. Der Bereich hat sich Kley zufolge „immer noch nicht von der Krise am Halbleitermarkt erholt“. Von seinem früheren Ziel, im dritten Quartal eine schwarze Null in der Sparte zu schreiben, rückte Infineon ab. Es gebe noch Überkapazitäten auf dem Markt.

Kley räumte ein, dass Infineon „noch weit von seinen Zielen entfernt“ sei. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Infineon-Chef bekannte er sich aber zur Unternehmensstrategie. „Infineon ist sinnvoll ausgerichtet und wir sehen keine Veranlassung, von dieser Ausrichtung abzuweichen.“ Infineon wolle weiter deutlich schneller wachsen als der Markt. In Zukunft liege die Betonung aber stärker auf profitablem Wachstum. Im Chipwerk Dresden sollen in den nächsten zwei Jahren 120 Millionen Euro investiert und 120 Mitarbeiter eingestellt werden.

Die Suche nach einem Nachfolger bezeichnete Kley als „sehr erfolgreich“. Es gebe zwei deutsche Kandidaten, die beide aus der Halbleiterbranche stammten. Er gehe davon aus, dass es spätestens bis Anfang September zu einer Lösung kommen werde. Zu Zeitungsberichten, wonach Intel-Europachef Jürgen Thiel neuer Chef von Infineon werden solle, sagte Kley: „Sie können davon ausgehen, dass ein Kandidat nicht mein Kandidat ist, wenn er in der Zeitung genannt wird.“

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