Wirtschaft : Infineon hat gute Chancen, nach der Veba/Viag-Fusion in den Index aufzurücken

Der Halbleiter-Produzent Infineon steht wenige Wochen nach seinem Börsengang möglicherweise vor der Aufnahme in den Dax. Am Dienstag könnte die Deutsche Börse AG einen Nachfolger für den Platz benennen, der nach der geplanten Fusion von Veba und Viag in dem wichtigsten deutschen Kursbarometer frei werden dürfte - und die Siemens-Tochter Infineon gilt bei Analysten als aussichtsreichster Kandidat für eine Aufnahme in den Kreis der 30 bedeutendsten deutschen Aktiengesellschaften. Die Aufnahme von Infineon in den Dax ist schon deshalb wahrscheinlich, weil der Konzern gemessen an den Hauptkriterien Marktkapitalisierung und Börsenumsatz mehrere Dax-Gesellschaften bereits weit übertrifft.

Eigentlich kommt die Deutsche Börse beziehungsweise deren "Arbeitskreis Aktienindizes" nach eigenen Angaben am Dienstag nur zusammen, um etwaige Änderungen beim Kleinwerte-Index S-Dax zu erörtern. Der nächste offizielle Überprüfungstermin für den Dax steht erst im September an. Die Börse bestimmt jedoch in der Regel auch außerhalb dieses Termins einen Austausch im Dax, wenn außerordentliche Entwicklungen dies notwendig machen. Dies kann der Börsengang einer großen Gesellschaft wie Infineon oder aber der fusionsbedingte Wegfall einer Dax-Firma wie bei Viag/Veba der Fall sein sein. Bei der absehbaren Herausnahme einer Dax-Firma nominiert die Deutsche Börse zumeist bereits im voraus einen Nachrrücker ("Vorratsbeschluss").

Aber auch ohne eine Fusion wäre es der Börse möglich, Infineon in den Dax zu heben. Grundlage für eine Teilnahme in der Liga der 30 größten Werte sind die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz einer Firma. Wenn eine Gesellschaft in diesen beiden Punkten jeweils zu den 25 größten ("25/25-Regel") Unternehmen gehört, kann sie den Börsenbestimmungen zufolge in den Dax aufgenommen werden. Heraus fiele das Unternehmen, das unter den 30 Dax-Titeln bei Börsenumsatz und Marktkapitalisierung auf dem letzten Platz rangiert. Weitere Bedingung für eine Aufnahme in den Dax ist, dass die Aktien der Firma zu mindestens 15 Prozent im Streubesitz liegen müssen und zu nicht mehr als 75 Prozent einer anderen Dax-Gesellschaft gehören.

Wackelkandidat Karstadt

Infineon hat alles, was eine Dax-Gesellschaft braucht. Auf der per Ende April gültigen und damit entscheidenen Börsen-Rangliste liegt der Chip-Produzent, an dem die Mutter Siemens noch 71 Prozent hält, mit einem Börsenumsatz von knapp 25,7 Milliarden Euro und einer Marktkapitalisierung von rund 46,9 Milliarden Euro jeweils auf Platz sieben. Ganz am Ende der Auflistung liegen Degussa-Hüls und Karstadt-Quelle mit den Plätzen 31/33 beziehungsweise 30/47. Somit könnte Infineon auch für einen dieser beiden Werte in den Dax gewählt werden, wenn kein Nachrücker für Veba/Viag ernannt werden sollte. Eine Veränderung im Dax würde Mitte Juni wirksam.

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