Wirtschaft : Infineon hofft wieder

Chiphersteller sieht Trendwende – und droht mit Abwanderung

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London (nad). Trotz der anhaltenden Konjunkturflaute rechnet der Münchener Chiphersteller Infineon mit einem Aufschwung in seinem Halbleitergeschäft. „Wir sind allmählich auf dem Weg der Besserung“, sagte Konzernchef Ulrich Schumacher am Freitag auf einer Strategiekonferenz in London. „Für das laufende und das nächste Quartal sehen wir Umsatzwachstum in allen Bereichen“, präzisierte MarketingVorstand Peter Bauer.

Insbesondere Umsätze und Auftragseingänge in Asien entwickelten sich „sehr vielversprechend“. Auch in Europa gebe es Signale für leichte Zuwächse, in den USA stagniere das Geschäft dagegen noch. Einen Aufschwung am Halbleitermarkt sieht auch der Branchenverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI). Für 2003 sei eine weitere deutliche Verbesserung zu erwarten, teilte der ZVEI am Freitag mit.

Infineon hatte sich seit Beginn der Konjunkturkrise mit positiven Prognosen zurückgehalten. Das Unternehmen, das Chips für die Computer- und Telekommunikationsbranche fertigt, hatte im Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) zum zweiten Mal in Folge einen Verlust gemeldet: Er betrug vor Steuern 1,14 Milliarden Euro.

Schumacher bekräftigte sein mittelfristiges Ziel, den Weltmarktanteil von Infineon bis zum Jahr 2007 von drei auf sechs Prozent zu steigern und zu den vier größten Halbleiter-Herstellern der Welt zu gehören. Bislang liegt Infineon auf Platz sechs, weit hinter den stärksten Konkurrenten Intel und Samsung. Besonders stark wachsen will Infineon in Asien. In China strebt das Unternehmen einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent an. Infineon werde seinen chinesischen Hauptsitz in Schanghai aufbauen und bis 2007 rund 2300 Mitarbeiter in China beschäftigen, sagte Vorstand Andreas von Zitzewitz. Auch das schwankungsanfällige Speichergeschäft, das im vergangenen Geschäftsjahr 35 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte, will Infineon weiter ausbauen.

Die 1,1 Milliarden schwere Investition in das Dresdner Werk rechne sich bereits: Ein Jahr nach dem Produktionsstart der so genannten 300-Millimeter-Technologie könnten Speicherchips nun kostengünstiger hergestellt werden als in allen anderen Werken. Mit der neuen Technologie werden die Chips auf Siliziumscheiben (Wafern) mit einem Durchmesser von 300 Millimetern gefertigt. Die Fertigungskapazität in Dresden soll im Sommer 2003 voll ausgeschöpft sein, dann erhofft sich Infineon Produktivitätsvorteile von 30 Prozent. Der Konzern werde einen Vorsprung vor dem Wettbewerb von vier bis fünf Jahren haben, glaubt der Vorstand.

Schumacher kritisierte am Freitag erneut die hohe Steuerbelastung in Deutschland. Ausländische Konkurrenten müssten teilweise nur halb so viel Steuern zahlen wie Infineon. „Das ist auf Dauer für uns nicht akzeptabel.“ Schumacher schloss nicht aus, dass Teile des Unternehmens ins Ausland verlagert werden könnten. Es sei aber noch nichts entschieden. Laut Geschäftsbericht hat das Unternehmen seit zwei Jahren keine Ertragssteuern mehr gezahlt. Im Zuge der Chipkrise hatte Infineon konzernweit mehr als 5000 der knapp 34 000 Stellen gestrichen.

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