Wirtschaft : Infineon kauft Chip-Sparte von Ericsson

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München (tmh). Die Münchner Infineon Technologies AG übernimmt für 400 Millionen Euro die Halbleiter-Sparte des schwedischen Ericsson-Konzerns. Die Übernahme, die durch Infineon-Aktien bezahlt wird, bedeute zugleich eine strategische Partnerschaft, sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher . Sein Konzern steige dadurch nicht nur zum Marktführer bei Chips für Mobilfunkbasisstationen auf, sondern werde auch Zulieferer für Handies des Duos Sony Ericsson. Die Aktie von Infineon reagierte mit Verlusten von rund fünf Prozent auf die Nachricht. Ericsson-Aktien gaben in Stockholm mehr als acht Prozent nach.

Die neuen Partner wollen auch bei der Entwicklung neuer Chips kooperieren, die immer kostspieliger werde, sagte Schumacher. Der Neuerwerb habe zuletzt gut 200 Millionen Euro umgesetzt und defizitär gearbeitet. Unter dem Dach von Infineon soll die Sparte mit 700 Mitarbeitern aber schon dieses Jahr 250 bis 300 Millionen Euro Umsatz und auch Gewinne beisteuern. Sie besteht aus einer Fertigung in den USA und einer Entwicklungsabteilung in Schweden.

Die Ericsson-Sparte operiere in einem verlässlichen Wachstumssegment, so Schumacher trotz der aktuellen Handy-Flaute. Ab 2004 erwartet er dafür wieder starkes Wachstum. Damit mache der Zukauf Infineon ein Stück unabhängiger vom volatilen Geschäft mit den im eigenen Konzern wie im Markt dominierenden Speicherchips. Infineon selbst setze im laufenden Geschäftsjahr mit Chips für die Telekommunikation etwa 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro um.

Weitere strategische Partnerschaften und Zukäufe seien schon in diesem Jahr möglich, sagte Schumacher. Es gäbe einige Gespräche, die aber in keinem konkreten Stadium seien. Zuletzt hatten die Münchner vor allem ihr Geschäft mit Speicherchips über Kooperationen mit taiwanesischen Herstellern gestärkt. Am weitesten ist dabei der gemeinsame Bau einer Chipfabrik mit Taiwans Nanya-Konzern fortgeschritten.

Derzeit suchen alle Chipkonzerne rund um den Globus nach Partnern, um so der jüngsten Branchenkrise zu begegnen, die allen Herstellern zuletzt massive Verluste beschert hat. Auch Telekomkonzerne wie Ericsson durchleben derzeit eine Flaute. Die Schweden konzentrieren sich deshalb nun auf ihr Geschäft mit Kommunikationsnetzen und sehen ihre konzerninterne Halbleitersparte nicht mehr als Kerngeschäft an.

Vorbehaltlich einer kartellrechtlichen Zustimmung, die bei Infineon als Formalie gilt, rechnen Ericsson und der Münchener Chipproduzent mit dem Abschluss ihres Geschäfttes noch in diesem Sommer.

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