Wirtschaft : Infineon: Kommentar: Infineon bleibt Erklärungen schuldig

Bernd Hops

Nein, viel Spaß bereitet Infineon derzeit nicht. Vergangene Woche eine dramatische Gewinnwarnung, jetzt eine Kapitalerhöhung. Mehr als drei Milliarden Mark will der Chiphersteller durch den Verkauf neuer Aktien einnehmen. Doch was will Infineon mit dem Geld machen? Die Erklärungen dazu sind schwammig. Abbau von kurzfristigen Verbindlichkeiten, Investitionen und Zukäufe nennt der Vorstand. Ganz oben auf der Liste: das neue Chip-Werk in Dresden, das ab kommenden Herbst produzieren soll - obwohl gegenwärtig viel zu viele Chips auf dem Markt sind. Ansonsten fehlt Konkretes.

Daher ist Skepsis angesagt. Die Mutter des Unternehmens, die Siemens AG, hat offensichtlich wenig Interesse, sich an dem Risiko zu beteiligen. Um ihren Anteil an Infineon weiter zu reduzieren, wird Siemens nicht an der Kapitalerhöhung teilnehmen. Die (Noch-)Siemens-Tochter ist auf sich allein gestellt. Hinzu kommt das schlechte Timing der Kapitalerhöhung. Auf dem aktuellen Kursniveau wird Infineon seine jungen Aktien nicht verkaufen können. Ein Abschlag von mehreren Euro ist wahrscheinlich.

Alles in allem drängt sich der Eindruck auf, dass unbedingt Geld her muss. Rechnet Infineon-Chef Ulrich Schumacher mit einem weiter anhaltenden Abschwung? Bei der Vorstellung der Details zur Kapitalerhöhung demonstrierte er Optimismus. Allein: Das hat er auch in den vergangenen Monaten getan, nur um sich kurze Zeit später wieder zu korrigieren. Schumacher muss sehr bald ein konkretes Konzept vorlegen, wie er aktuelle teure Überkapazitäten reduzieren und Infineon zukünftig gegen Krisen am Chip-Markt absichern will. Erst dann werden die Anleger Vertrauen fassen. Aber diese Art Kapital ist nach den jüngsten Enttäuschungen auf längere Sicht erst einmal aufgebraucht.

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