Wirtschaft : Infineon: Kommentar: Infineon ist nicht immun

Henrik Mortsiefer

Jetzt Also Infineon. Nach den US-Technologiekonzernen schockt das Tochterunternehmen von Siemens seine Aktionäre mit einem rabenschwarzen Ausblick auf das Geschäftsjahr. Gewinnwarnung, Investitionsstopp, Stellenabbau, Kursverfall. Das ganze Repertoire aus dem Gruselkabinett der Börse wird den Infineon-Anlegern, die im März 2000 begeistert die "Volksaktie" gezeichnet haben, geboten - besser: zugemutet. Hatten sich viele doch eigentlich auf eine Erholung der angeschlagenen Aktie gefreut. Erste Anzeichen dafür waren zuletzt ja zu finden. Doch die Hoffnungen auf ein Comeback sind geplatzt. Vorstandschef Ulrich Schumacher, der sich bisher vom Optimismus nicht abbringen ließ, muss einräumen, dass er sich verschätzt hat. Infineon leidet stärker als erwartet unter der Flaute auf den Mobilfunk- und Speicherchipmärkten. Und: Die bisher soliden Sparten Chipkarten und drahtgebundene Kommunikation, ein vermeintlich sicherer Hafen, werden zum ersten Mal von der Krise erfasst. Gleichzeitig tobt ein Preiskampf, den Infineon gegen Wettbewerber wie Philips zu verlieren droht. Was die Börse zu Recht in Aufregung versetzt, sollte Anleger, die langfristig auf Infineon gesetzt haben, aber nicht überraschen. Die Risiken des Halbleitermarktes sind bekannt. Sicher, die Flaute kam schneller als Experten ausgerechnet haben. Aber: Chiphersteller hingen schon immer an der schwankenden Nachfrage und am Innovationszyklus. Jetzt, im Konjunkturabschwung, werden Investitionen für neue Computer verschoben, Privatkunden zögern beim Kauf neuer Handys, IT-Firmen kürzen ihre Budgets. Es wird gespart. Nur notorische Optimisten konnten annehmen, Infineon sei dagegen immun.

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