Wirtschaft : Infineon muss Speicherchips verramschen

tmh/msh

Der Halbleiterhersteller Infineon hat im vierten Quartal seines Geschäftsjahres wegen des Preisverfalls bei Speicherchips massive Verluste gemacht. Der Nettoverlust lag in den Monaten Juli bis September bei 523 Millionen Euro. Im gleichen Quartal des Vorjahres machte Infineon noch einen Gewinn von 581 Millionen Euro. Der Umsatz brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 54 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro ein. Auch in den kommenden Monaten rechnet Infineon-Chef Ulrich Schumacher mit weiteren Verlusten.

Dem Münchner Chiphersteller macht vor allem der Absatzrückgang bei PCs infolge der Konjunkturflaute zu schaffen. Das Hauptgeschäftsfeld von Infineon sind Speicherchips, die in jeden Computer eingebaut werden. Die Preise für Speichermodule sind wegen der Krise am PC-Markt und überhöhter Produktionskapazitäten dramatisch eingebrochen. Infineon gehört immer noch zu 51 Prozent zum Siemens-Konzern. Die restlichen Anteile hat Siemens im März 2000 an die Börse gebracht. Viele Kleinanleger deckten sich damals mit der Aktie ein und hofften auf steigende Kurse. Doch der Wert des Infineon-Papiers stürzte im vergangenen Jahr in den Keller.

Etwas besser als das letzte Quartal fiel der Vergleich des gesamten Geschäftsjahres aus, das am 30. September endete. Konzernchef Schumacher präsentierte ein Jahresdefizit in Höhe von 591 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern fiel um satte 1,7 Milliarden Euro schlechter aus als im Vorjahr. Der Umsatz des Chipherstellers sank "nur" um 22 Prozent auf 5,67 Milliarden Euro.

Trotz des schlechten Ergebnisses legte die im Dax notierte Aktie bei allgemein kräftig steigenden Kursen um fast acht Prozent auf 21,76 Euro zu. Analysten hatten ein noch schlechteres Ergebnis erwartet. Zudem verfüge Infineon über höhere flüssige Mittel als Branchenkenner befürchtet hatten. Der Chiphersteller weist eine Cash-Position von 568 Millionen Euro aus. Infineon-Chef Schumacher und Finanzvorstand Peter Fischl betonten, dass die Finanzlage entgegen anderslautender Spekulationen gesichert sei.

Die jüngste Kapitalerhöhung habe 1,5 Milliarden Euro und der Verkauf von Beteiligungen weitere 650 Millionen Euro in die Kassen gebracht. Dazu bestehe ein nicht ausgeschöpfter Kreditrahmen von 1,6 Milliarden Euro. Im operativen Geschäft soll der Abbau von 5000 Arbeitsplätzen und Kurzarbeit Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro bringen. Auch diese Rosskur könne Infineon bei unveränderten Marktverhältissen operativ aber nicht in die Gewinnzone zurückführen, gestand Schumacher ein.

Für den Preiskrieg und den "existenziellen Verdrängungswettbewerb", der derzeit die gesamte Halbleiterbranche durchzieht, macht er vor allem die koreanischen Konkurrenten Samsung und Hynix verantwortlich. Dadurch sei binnen eines Jahres der Preis für Chips mit 128 Megabyte Speicherkapazität von 15 auf einen Dollar gefallen, was unter den Herstellkosten liege. Wettbewerbsverzerrende Finanzspritzen gewähre der südkoreanische Staat, der zuletzt gut sieben Milliarden Dollar beispielsweise in Hynix gepumpt habe, klagte Schumacher. Branchenexperten schätzen, dass das Volumen der Halbleitermärkte im laufenden Jahr weltweit um ein Drittel auf unter 140 Milliarden Dollar einbrechen werden.

Obwohl ein Ende des Preiskriegs nicht in Sicht sei, erwäge Infineon "aus heutiger Sicht" keinen Ausstieg aus dem Speichergeschäft, sagte Schumacher. Auch die Schließung eines Chipwerks ist derzeit nicht geplant. Wenn der Markt ber noch stärker verfallen sollte, werde Infineon aber weiter Personal abbauen. Einzig in der Mobilfunkbranche sieht Infineon einen kleinen Lichtblick. Schumacher erwartet eine moderate Belebung im ersten Halbjahr 2002 durch die Einführung von neuen Handys für den Mobilfunkstandard GPRS.

Die Gespräche mit Toshiba über eine Kooperation bei Speicherchips gestalten sich Schumacher zufolge schwierig, weil sich Infineon nicht an den Kosten für die Restrukturierung beim Speichergeschäft von Toshiba beteiligen wolle. Er rechne aber weiter mit einem Ergebnis in den Verhandlungen bis Ende 2001.

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