Wirtschaft : Infineon rutscht tief in die Verlustzone

Chiphersteller schließt das Geschäftsjahr mit einem operativen Fehlbetrag von 183 Millionen Euro ab

Nadine Oberhuber

Berlin/München - Der vor der Aufspaltung stehende Chiphersteller Infineon ist tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Zwar verlief für die Münchner das vergangenen Quartal etwas besser als das vorherige – der Umsatz zog um acht Prozent an und der Konzernverlust verringerte sich auf „nur noch“ 100 Millionen Euro. Im Vorquartal lag der Fehlbetrag bei 240 Millionen Euro. Aufs Jahr gerechnet rutschte der Halbleiterhersteller aber tief ins Minus und verschlechterte sein Ergebnis deutlich. Der Umsatz schrumpfte im Geschäftsjahr 2004/05 um sechs Prozent auf 6,76 Milliarden Euro, teilte Infineon am Freitag in München mit. Um mehr als 400 Millionen Euro brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein – von plus 256 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 183 Millionen in diesem Jahr. Allein die Schließung des Werkes Perlach habe davon 63 Millionen Euro ausgemacht, sagte Finanzvorstand Peter Fischl.

Die Börse reagierte gelassen auf die Zahlen. Nach einem Kurseinbruch zu Handelseröffnung schloss das Papier bei 8,00 Euro mit 0,63 Prozent leicht im Plus.

„Die Entwicklung im Gesamtjahr ist nicht so positiv gewesen“, sagte Vorstandschef Wolfgang Ziebart, „aber wir sind sehr gut vorangekommen mit unserer Neuausrichtung. Die Abspaltung der Speichersparte ist eine gute Botschaft, sie zeigt die Anpassungsfähigkeit, zu der wir in der Lage sind.“ Für die künftige Entwicklung wollte der Vorstand keine Prognosen abgeben. Infineon hoffe, beim Umsatz ähnlich einstellig wie der Gesamtmarkt zu wachsen, hieß es lediglich. Ausgerechnet die Speicherchipsparte, die nun vom Konzern abgetrennt werden soll, schrieb im abgelaufenen Geschäftsjahr schwarze Zahlen. Die Pläne zur Abspaltung hatte Infineon am Donnerstag bekannt gegeben. „Das Ergebnis ist schon im dritten Jahr nacheinander positiv, das halte ich für eine bemerkenswerte Leistung“, sagte Ziebart. Dennoch verteidigte er die Abtrennung des Bereiches, der über die Zeit an Umsatz- und Ertragskraft verlor. Das Zusammenführen so verschiedener Geschäftsbereiche wie der Kommunikations-, der Automobil- und der Speicherchipproduktion in einem Gesamtkonzern habe nicht die Synergien ergeben, die sich Infineon erhofft hatte. „Deshalb hat die getrennte Aufstellung am Markt Vorteile. Die Geschäftsmodelle entwickeln sich im Chipbereich sehr stark auseinander.“ Es werde künftig auch nicht mehr so sein, dass eine Fabrikanlage nacheinander verschiedene Chips herstelle und immer wieder auf eine neue Technologie umgerüstet werde, wie Infineon das bisher mit seinem Kaskadenmodell betrieben habe. „Heute entwickeln sich die Produktionen parallel statt nacheinander“, sagte Ziebart.

Heftig wehrte sich der Vorstandschef dagegen, dass Infineon „zerschlagen“ werde. Durch die Abtrennung der Speicherprodukte bis Mitte 2006 verliert Infineon 40 Prozent seines Gesamtgeschäfts. „Wir verändern Infineon lediglich von einem Unternehmen, das in drei Geschäftsfeldern tätig ist, zu einem mit zwei Feldern – Automobil und Kommunikation. Im Idealfall bleibt die Company aber gleich groß.“ Mit dem Erlös aus dem Börsengang der Speichersparte, der „frühestens Mitte 2006“ vonstatten gehen könnte, „könnten wir im Idealfall den Automobil- und Kommunikationsbereich stärken. Was das mit Zerschlagung zu tun hat, weiß ich nicht.“

Derzeit macht die Sparte der Kommunikationschips etwa zwei Drittel des Restkonzerns aus, Automobilchips ein Drittel. „Ein anderes Verhältnis zwischen den Bereichen anzustreben, ist nicht unser Ziel. Wir wollen beide Bereiche wachsen lassen und werden alle Gelegenheiten ausnutzen, die sich uns dabei bieten.“ Auch ein Unternehmenszukauf sei in diesem Bereich nicht auszuschließen, ergänzte der Vorstandschef.

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