Wirtschaft : Infineon schmiedet Bündnis in Taiwan

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Die Münchner Infineon AG will mit dem taiwanesischen Chipkonzern Nanya ein gemeinsames Werk für Speicherchips bauen und in der Entwicklung kooperieren. "Wir verstärken unsere Produktion in Asien und erhöhen unseren Anteil im weltweiten Markt für Speicherchips", sagte Konzernchef Ulrich Schumacher. Vor kurzem hatten die Münchner auch mit den beiden taiwanesischen Konkurrenten Winbond und Mosel Vitelic Bündnisse geschlossen oder verstärkt.

Der Schulterschluss mit Nanya ist verglichen damit am bedeutendsten, sagte eine Infineon-Sprecherin. Denn bei Nanya rücken die Münchner erstmals von ihrer Devise ab, für ihre Expansion kein Geld auszugeben. Das gemeinsame Werk, das in Taiwan entstehen und ab Ende 2003 produzieren soll, kostet nach Branchenschätzungen 1,5 bis zwei Milliarden Dollar. Es basiert auf der neuesten, so genannten 300-Millimeter-Technologie, die Infineon erstmals in ihrem Dresdner Werk anwendet. Da die Münchner diese Technologie an Nanya gegen Gebühr lizensieren und zur Finanzierung des neuen Werks auch die Aufnahme eines weiteren Partners möglich scheint, dürfte Infineon für die neue Fabrik deutlich weniger als die Hälfte der Gesamtkosten zahlen.

Eine Sprecherin wollte das nicht kommentieren. Die gemeinsame Fertigung sei grundsätzlich paritätisch angelegt, sagte sie lediglich. Insbesonders die Zusammenarbeit mit Nanya, für die vorerst eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet wurde, bedeute für Infineon eine spürbare Ausweitung der globalen Marktanteile beim wichtigen Schlüsselprodukt Speicherchips. Derzeit reklamieren die Münchner einen Anteil von 14 Prozent, womit sie hinter Samsung (Südkorea), Micron (USA) und Hynix (Südkorea) die Nummer vier der Branche sind. Die jüngsten Vereinbarungen mit Mosel Vitelic und Winbond steigern die Quote laut Schumacher auf 17 bis 18 Prozent. Das neue Werk in Taiwan und die langsam steigende Produktion in Dresden erhöhen den eigenen Marktanteil weiter auf die angestrebten 20 bis 25 Prozent, sagte eine Infineon-Sprecherin. Die Münchner rüsten sich damit für den kommenden Branchenaufschwung, nachdem die Chiphersteller wegen eines massiven Preisverfalls vor allem 2001 in eine tiefe Krise abgerutscht waren.

Bisher stockt die Konsolodierung in der Branche. Diese Woche scheiterte die Übernahme von Hynix durch den US-Konzern Micron gerade nach monatelangen Verhandlungen. Durch den Zusammenschluss wäre ein neuer Branchenführer mit einem Marktanteil von 40 Prozent entstanden. Die Branche hatte gehofft, dass im Zug der Übernahme Überkapazitäten bei Hynix abgebaut worden wären. Das könnte nun aber auch bald über eine Pleite der Fall sein. Selbst die südkoreanische Regierung warnt den Konzern, dass er alleine kaum überleben könne.

Auch Infineon hatte ursprünglich um Hynix geworben. Diesen Winter war zudem eine Kooperation mit dem japanischen Toshiba-Konzern bei Speicherchips geplatzt. Bei Nanya bestehe diese Gefahr nicht, weil beide Konzerne dieselbe technologische Plattform verwenden und gut zueinander passen, sagte Schumacher. Branchenkenner halten das Risiko für Infineon zudem für geringer als es etwa beim hoch verschuldeten Hynix-Konzern wäre, weil Nanya im Gegensatz dazu als gesundes Unternehmen gilt.

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