Wirtschaft : Infineon: Schock für die Anleger

Der Chiphersteller Infineon hat die Börse mit einer Gewinnwarnung überrascht und einen Kurssturz ausgelöst. Vorstandschef Ulrich Schumacher sagte am Mittwoch in München, er rechne mit einem Milliardenverlust im dritten Quartal und schließe auch für das Gesamtjahr einen Verlust nicht mehr aus. Die Infineon-Aktie verlor zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent und riss andere Technologieaktien mit in die Tiefe.

Wegen der anhaltend schlechten Lage der globalen Chipmärkte steuere der Halbleiterproduzent im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2000/01 (zum 30. September) auf einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von bis zu 1,17 Milliarden Mark zu, sagte Schumacher in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Auch das vierte Quartal werde Verluste bringen. "Ein Verlust im Gesamtjahr ist nicht ausgeschlossen", sagte der Infineon-Chef. An der Börse reagierten Anleger auf die Hiobsbotschaft mit Verkäufen: Der Infineoan-Kurs brach daraufhin um 14,16 Prozent ein und fiel unter den Emissionskurs auf 30,00 Euro. Das Unternehmen hatte seine Aktien im März 2000 zu einem Kurs von 35 Euro an die Börse gebracht. In den Sog von Infineon gerieten auch die Aktien von Siemens und Epcos, die 4,49 bzw. 2,93 Prozent einbüßten.

Im ersten Halbjahr 2000/01 hatte sich Infineon noch vergleichsweise gut gegen die Schwäche der Halbleitermärkte behaupten können. Analysten waren deshalb von einem profitablen Gesamtjahr ausgegangen. Am Mittwoch musste Ulrich Schumacher diese Prognose revidieren: "Für eine Besserung der Lage können wir derzeit keine Anzeichen mehr erkennen." Eine Trendwende werde es - anders als bisher angenommen - im zweiten Halbjahr 2001 wohl nicht mehr geben. Die Preise für Speicherchips seien binnen zehn Wochen nochmals um rund ein Drittel eingebrochen. Zudem halte die Flaute bei Mobiltelefonen an. Aufträge würden verschoben und storniert. In den USA gebe es sogar Versuche, ausgelieferte Chips wieder an die Hersteller zurückzusenden.

Als besorgniserregend bezeichneten Analysten den Umstand, dass im dritten Quartal auch die bisher von der Krise verschonten Infineon-Segmente Sicherheits- und Chipkarten ICs sowie drahtgebundene Kommunikation in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Folge: Die Infineon-Umsätze geben im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um bis zu 30 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Mark nach. Bis Ende Juni steuern die Münchner damit auf knapp neun Milliarden Mark Umsatz und 300 Millionen Mark Verlust zu. Infineon reagiert darauf mit Investitionskürzungen und einem unbefristeten Einstellungsstop. Im laufenden Jahr würden etwa eine und in der kommenden Periode rund zwei Milliarden Mark weniger investiert, kündigte Schumacher an. Das bedeute zunächst keinen Stellenabbau. Auch seien die Investitionen in die Erweiterung der Dresdener Chipfabrik vom Sparkurs nicht betroffen, weil durch den Neubau ein nun dringend nötiger Produktivitätsfortschritt von rund 30 Prozent erzielbar sei. "Der sehr schwache Markt hat nun auch uns erfasst," gab Schumacher zu. Die weitere Entwicklung der Chipbranche sei insgesamt unübersichtlich, gesichterte Daten über die Lagerbestände seien nicht verfügbar.

Die geplante Kapitalerhöhung will Infineon trotz des jüngsten Einbruchs in den kommenden Wochen durchführen. Die Mutter Siemens werde sich nicht beteiligen, dadurch aber nicht unter eine Mehrheitsbeteiligung von gut 50 Prozent rutschen, sagte Infineon-Finanzchef Peter Fischl.

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