Wirtschaft : Infineon schockt mit Milliardenverlust

Preisverfall bei Speicherchips belastet den Halbleiterkonzern / Keine Besserung in Sicht – Aktie bricht ein

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München (nad/msh). Die anhaltende Krise auf dem HalbleiterMarkt hat den Chiphersteller Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Bereits zum zweiten Mal in Folge musste das Münchener Unternehmen einen Milliardenverlust bekannt geben. Auch für das kommende Jahr sieht Infineon-Chef Ulrich Schumacher noch keine Besserung auf dem Chipmarkt. Die Aktie des einstigen Börsenstars verlor am Freitag deutlich an Wert. Der Kurs sank bis zu Börsenschluss um zehn Prozent auf 9,22 Euro.

Infineon leidet schon seit fast zwei Jahren unter der Nachfrageschwäche. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage investieren viele Firmen nur noch sehr zögerlich in neue Informationstechnik. Aber auch die Endverbraucher kaufen weniger Personal Computer, Mobiltelefone und Autos. Hier werden Chips von Infineon überwiegend eingebaut. Vor zweieinhalb Jahren war die Siemens-Tochter an die Frankfurter Börse gegangen und hatte bei Anlegern große Hoffnungen geweckt. Nach einem anfänglichen Hoch ist die Aktie aber abgestürzt.

„Wir sind 2002 hinter den Erwartungen zurückgeblieben", gab Vorstandschef Ulrich Schumacher zu. Der Verlust vor Steuern und Zinsen stieg in dem im September abgelaufenen Geschäftsjahr auf 1,14 Milliarden Euro; im Vorjahr waren es 1,02 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz sank um acht Prozent auf 5,21 Milliarden Euro. Für das schlechte Ergebnis machte Schumacher die negative Entwicklung des Technologie-Marktes und den unverminderten Preiskampf bei Speicherchips verantwortlich. Speicherchips werden als Arbeitsspeicher in PCs eingebaut.

Im Gesamtjahr machte Infineon allein mit seiner Problemsparte Speicherchips ein Minus von 616 Millionen Euro. Mit einem Umsatzanteil von 36 Prozent ist sie aber immer noch das Zugpferd im Konzern. Schumacher zufolge haben sich die Preise für Speicherchips in den vergangenen Wochen stabilisiert. Noch sei es aber zu früh, von einer nachhaltigen Verbesserung des Marktes auszugehen, sagte er. Er gehe eher davon aus, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten anhalten werde. Analysten wie Thorben Geise von der WGZ Bank erwarten, dass die Speicherpreise frühestens Mitte 2003 anziehen werden.

In größere Schwierigkeiten sollen die niedrigen Preise den Chiphersteller aber nicht bringen. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Infineon die Produktionskosten nach Angaben von Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz deutlich gesenkt: Sie seien von 5,50 Dollar im ersten auf 3,75 Dollar im vierten Quartal gefallen. Im laufenden Geschäftsjahr will der Konzern die Kosten noch einmal um 30 bis 40 Prozent drücken. Dazu soll vor allem das neue Werk in Dresden beitragen, in dem Infineon seine Produktion auf die kostengünstigere 300-Millimeter-Technik umgestellt hat.

Ähnlich große Probleme wie bei den Speicherchips hatte Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr auch bei Chipkarten und in der Festnetzkommunikation. Auch für die kommenden Monate zeigte sich Schumacher pessimistisch: „Wir wissen alle, dass es um die Finanzstärke der großen Telefongesellschaften nicht zum Besten steht." Lichtblicke sieht er dagegen in der Mobilkommunikation und in der Automobilelektronik. Infineon werde auch in Zukunft davon proftieren, dass die Autohersteller mehr Elektronik einsetzen, um die Sicherheit und den Komfort ihrer Fahrzeuge zu erhöhen.

Die Infineon-Aktie ging am Freitag stark ins Minus: Nach einem Kursrutsch von elf Prozent zu Handelsbeginn erholte sie sich bis zu Börsenschluss nur leicht auf 9,22 Euro – ein Minus von zehn Prozent. Von seinem Höchststand von 92,50 Euro im Juni 2000 ist der einstige Shootingstar aber um 90 Prozent abgestürzt. Analysten hofften am Freitag, dass sich die niedrigeren Produktionskosten für Speicherchips positiv auf die Ertragslage des Konzerns auswirken werden. Hoffnung macht auch das Marktforschungsinstitut Gartner Group. Für das kommende Jahr erwartet Gartner nach jüngsten Schätzungen wieder einen weltweiten Umsatzanstieg bei Halbleitern um zwölf Prozent.

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