Wirtschaft : Infineon sieht schwarz - Anleger flüchten

Der Chiphersteller hat einen düsteren Ausblick vorgelegt. Der Aktienkurs stürzte um 40 Prozent ab.

Thomas Magenheim
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Vor der Pleite steht Infineon nicht, sagt Vorstandschef Peter Bauer. Foto: dpa

München - Der Chipkonzern Infineon hat die Anleger mit einem düsteren Ausblick geschockt. Der Aktienkurs stürzte am Mittwoch um 40 Prozent auf exakt einen Euro ab. Zeitweilig war es sogar weniger – damit war Infineon das erste „Pennystock“-Unternehmen im Dax. Vor einem Jahr war das Papier ungefähr acht Mal so viel wert. Als der Titel im März 2000 an die Börse gestartet war, wurden sogar über 70 Euro für die Aktie gezahlt.

Vorstandschef Peter Bauer sagte bei der Vorlage der Bilanz in München, man kalkuliere im laufenden ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs wegen der dramatisch sinkenden Nachfrage in allen Bereichen mit einem Umsatzeinbruch um rund ein Drittel und erneut hohen Verlusten. Im Gesamtjahr 2008/09 werde der Umsatz um mindestens 15 Prozent sinken. Die Höhe der roten Zahlen sei nicht abzuschätzen. Die globalen Chipmärkte fielen derzeit als Reaktion auf Finanzkrise und Rezession wie ein Kartenhaus zusammen, sagte Bauer und nannte als Beispiel die Autobranche.

Eine Pleitegefahr für den Konzern bestehe dennoch nicht. „Infineon ist kein Wackelkandidat“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Ein Pleitekandidat bleibt dagegen Qimonda. Vor allem die hohen Verluste der ungeliebten Tochter haben den Münchnern im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 einen auf gut 3,1 Milliarden Euro fast verzehnfachten Verlust beschert. Fast drei Milliarden davon hat Qimonda verursacht.

Wenn es nicht gelingt, binnen zwei Wochen einen Investor für Qimonda zu finden, befürchtet das Unternehmen mit seinen global 13 500 Beschäftigten im ersten Quartal 2009 die Zahlungsunfähigkeit. Kommt es dazu, drohen Infineon unabschätzbare finanzielle Risiken, obwohl der Mutterkonzern eine Finanzierung von Qimonda weiter ablehnt. So seien dann eine Rückzahlung von staatlichen Fördermitteln in Höhe von 280 Millionen Euro und andere im Pleitefall von Qimonda auf Infineon übergehende Verbindlichkeiten möglich, sagte Bauer. Die in den USA notierte Qimonda-Aktie haben Börsianer fast völlig abgeschrieben – sie ist nur noch wenige US-Cent wert.

Bauer hat offenbar die Hoffnung auf einen Käufer für Qimonda noch nicht aufgegeben. Mit mindestens zwei Interessenten verhandle man noch, um die eigenen 77,5 Prozent Qimonda-Anteile abzugeben. Darunter sei ein strategischer Investor, also ein Konzern aus der Chipbranche. Die Erfolgschancen wollte Bauer nicht benennen. Es werde aber schwieriger, weil die eskalierende Branchenkrise „mögliche Partner angreift und die Finanzierungsmittel eng werden“, räumte der Infineon-Chef ein. Auch eine Teilverstaatlichung von Qimonda durch das Land Sachsen ist angeblich in der Diskussion. Dazu schwieg Bauer aber. Die Infineon-Tochter beschäftigt in ihrem Hauptwerk Dresden mehr als 3000 Menschen. Um Bundeshilfen hat Qimonda dem Vernehmen nach bislang vergeblich geworben.

Mutter und Tochter sind ohnehin dabei, jeweils 3000 Arbeitsplätze abzubauen, und wollen nun retten, was noch zu retten ist. Infineon hat 2007/08 mit noch 29 000 Beschäftigten die Umsätze um sechs Prozent auf 4,3 Milliarden Euro erhöht. Derzeit liege die Gewinnschwelle bei 3,9 Milliarden Euro Umsatz, sagte Bauer. „Wir gehen aber von weniger Erlös aus“, stellte er mit Blick auf 2009 klar.

„Der Ausblick für das erste Quartal und das Geschäftsjahr waren ein Desaster“, urteilten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das Qimonda-Problem bleibe ungelöst, monierte die DZ-Bank.

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