Infineon-Tochter : Freistaat Sachsen und Portugal retten Qimonda

Der angeschlagene Chipkonzern Qimonda erhält Kredite und Bürgschaften über 600 Millionen Euro. Zweiter Geldgeber neben dem Land Sachsen ist überraschend Portugal.

Thomas Magenheim
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Der Chiphersteller Qimonda erhält einen Millionenkredit. -Foto: dpa

München - Qimonda ist vorerst gerettet. Überraschende Hilfe aus Portugal bewahrt den schwer angeschlagenen Speicherchiphersteller vor dem Aus. „Wir haben heute den Durchbruch geschafft“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) am Sonntag in Dresden. Nach einem tagelangen Schlagabtausch haben sich das Land Sachsen und der Mutterkonzern Infineon geeinigt. Der Durchbruch gelang aber erst nach dem Eingreifen Portugals, wo Qimonda ein Werk betreibt. Das Hauptwerk von Europas einzigem Speicherchiphersteller mit 3000 Beschäftigten steht in Dresden.

Möglich machen das Überleben drei Darlehen über insgesamt 325 Millionen Euro. Weitere 280 Millionen Euro sollen staatliche Bürgschaften bringen. „Der für Anfang 2009 befürchtete Liquiditätsengpass ist vom Tisch“, sagte ein Qimonda- Sprecher. Von einem endgültigen Befreiungsschlag wollte er aber nicht sprechen.

Qimonda hat im Anfang Oktober beendeten Geschäftsjahr, das immer noch nicht endgültig bilanziert ist, mutmaßlich rund drei Milliarden Euro Verlust verbucht und steht wie die gesamte Chipbranche 2009 wegen der globalen Rezession vor dem wohl tiefsten Einbruch der noch jungen Industrie.

Zumindest für einige Monate kommt die Infineon-Tochter nun über die Runden, weil das Land Sachsen 150 Millionen Euro Darlehen bereitstellt. Vom portugiesischen Staat kommen nach Angaben von Wirtschaftsminister Jurk über die dortige Investitionsbank weitere 100 Millionen Euro als Kredit. Die Beteiligung sei ähnlich wie die des Freistaates an Auflagen gebunden, die Qimonda nun erfüllen wolle, sagte der Minister, ohne ins Detail zu gehen. „Wir sind nun drei Partner in einem Boot.“ Die restlichen 75 Millionen Euro steuert Infineon bei. Der selbst schwer angeschlagene Mutterkonzern sei damit an die Grenze des Vertretbaren gegangen, sagte Infineon-Chef Peter Bauer. Über die Kredite hinaus verhandelt Qimonda um Bürgschaften des Bundes und des Freistaats Sachsen über weitere 280 Millionen Euro. Das gesamte Rettungspaket muss noch von der EU genehmigt werden. Dem Vernehmen nach hat Sachsen dazu bereits in Brüssel vorgefühlt und hofft nun auf dortiges Wohlwollen.

Wenn die Gelder auch formal freigegeben sind, kann Qimonda damit das Hochfahren einer neuen, vielversprechenden Chipgeneration finanzieren. Die Hilfe erlaube es Qimonda, seine Neuausrichtung zu vollenden, sagte Konzernchef Kin Wah Loh. Im Gegenzug habe er zugesagt, die Werke in Dresden und im portugiesischen Porto zu stärken. Dessen ungeachtet läuft die Sanierung von Qimonda weiter, die in Dresden den Abbau von 950 Jobs vorsieht. Der aktuelle Schrumpfprozess wird den Konzern nahezu halbieren.

Langfristig retten kann das Chipunternehmen nur ein finanzstarker Investor, den Infineon seit Jahren vergeblich sucht. Das jetzige Überbrückungsdarlehen habe aber die Chancen für die Investorensuche entscheidend verbessert, heißt es in München, wo Mutter und Tochter ihre Zentralen haben. Der Doppelkonzern bildet das Herz von „Silicon Saxony“, einer europaweit einzigartigen Ansammlung von rund 1200 Halbleiterfirmen rund um Dresden mit insgesamt etwa 40 000 Beschäftigten. Thomas Magenheim

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